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Archiv: Berliner Baukonjunktur

Bericht Berliner Bauwirtschaft 3/2000


Vierteljahresbericht über die Entwicklung
der Berliner Bauwirtschaft 3/2000

(publiziert im Dezember 2000)

1. Auftragslage


Im Monat September konnte das Berliner Bauhauptgewerbe kräftige Auftragseingänge für Hoch und Tiefbauten verbuchen. Von gewerblichen Bauherren flossen in beträchtlichem Maße Bestellungen für Hochbauleistungen, und öffentliche Auftraggeber vergaben umfangreiche Tiefbaumaßnahmen. Die Rückläufigkeit der Vormonate konnte damit aber nur zu einem kleinen Teil kompensiert werden. Es kommt hinzu, dass die Aufträge für öffentliche Hochbauten äußerst gering ausfielen, so dass die kurzfristigen Impulse für eine Aufhellung der Baukonjunktur nicht ausreichen.

Insgesamt lag die Bestelltätigkeit für bauhauptgewerbliche Leistungen im dritten Vierteljahr 2000 sowohl im Hoch als auch im Tiefbau um rd. 16 % unter dem Vorjahresvolumen. Fehlende Wohnungsbauaufträge und solche für öffentliche Hochbauten sowie für Ingenieurtiefbauten waren im Wesentlichen für die Rückläufigkeit verantwortlich.

Vom Januar bis September 2000 hatten die bauhauptgewerblichen Betriebe Berlins insgesamt 10,5 % weniger Aufträge erhalten als ein Jahr zuvor. Der Tiefbau war mit einer Abnahme von - 24,9 % überproportional betroffen, weil insbesondere die Aufträge aus Industrie und Gewerbe ausblieben (- 39,1 %).

Da die Ordertätigkeit im Berichtszeitraum wenig positive Vorzeichen aufwies, sind die Auftragsbestände von Juni bis September 2000 um insgesamt 7,4 % abgebaut worden. Die Unternehmen des Berliner Bauhauptgewerbes verfügten zusammengenommen über Auftragsbestände in Höhe von 3,1 Mrd. DM, was einem Rückgang um 19,8 % oder rd. 760 Mio. DM gegenüber dem Vorjahr entspricht. Insbesondere die im gewerblichen Tiefbau und im Wohnungsbau arbeitenden Baufirmen meldeten jeweils eine starke Rückläufigkeit ihrer Auftragswerte in Höhe von 44,0 % bzw. 41,4 %.

Nach den ausgesprochenen Baugenehmigungen der Berliner Bauaufsichtsämter zu urteilen, lässt die Baunachfrage in Berlin deutlich nach. Im Berichtszeitraum des 3. Vierteljahres 2000 wurden 22,1 % weniger Bauscheine gemessen am umbauten Raum erteilt als vor einem Jahr. Vor allem sind Anträge öffentlicher Bauherren (- 53,4 %) sowie solche aus Industrie und Gewerbe ausgeblieben. Von Januar bis September 2000 ging das Genehmigungsvolumen um nahezu ein Drittel (- 31,4 %) zurück, wobei der Zuwachs an bauaufsichtlich genehmigten Neubauwohnungen (+ 16,6 %) im dritten Vierteljahr den negativen Trend nur etwas kompensieren konnte.

Auch die Handwerkskammer Berlin berichtet von einer zurückgehenden Baunachfrage für die bauhauptgewerblich ausgerichteten Handwerksbetriebe. Das Ende der Talfahrt sei nach der aktuellen Konjunkturumfrage hier nicht in Sicht. Für das Ausbauhandwerk wurde die Lage unterschiedlich bewertet. Während das Elektrohandwerk auf dem Vorjahresniveau verharrte, verschlechterte sich die Situation für das SanitärHeizungsKlimaHandwerk und ganz besonders im Maler und Lackierergewerbe.


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2. Bautätigkeit


Die Bautätigkeit im Berliner Bauhauptgewerbe verläuft zu Beginn des Herbstes äußerst schwach. Auch in den durch verbesserte Auftragseingänge positiv betroffenen Sparten war keine Besserung zu spüren.

Gemessen an den geleisteten Arbeitsstunden im Bauhauptgewerbe beliefen sich die Bauaktivitäten im dritten Vierteljahr 2000 um 22,8 % unterhalb der Tätigkeit des entsprechenden Vorjahresquartals. Im Wohnungsbau wurden mit 28,2 % noch weniger Arbeitsstunden geleistet als im Durchschnitt aller Hochbauten. Die Tiefbautätigkeit fiel besonders schwach im gewerblichen Bereich aus. Hier wurden um 26,9 % weniger Arbeitsstunden geleistet als im vergleichbaren Zeitraum des Jahres 1999.
Über die ersten neuen Monate des Jahres 2000 gesehen nahm die Bautätigkeit der Berliner Unternehmen um 17,5 % ab. Auch in diesem Zeitraum war der Wohnungsbau und der gewerbliche Tiefbau von Rückläufigkeit stärker betroffen andere Bausparten.

Analog zur reduzierten Bautätigkeit sind auch die Beschäftigtenzahlen in den bauhauptgewerblichen Unternehmen abgebaut worden. Der Personalstand wurde Ende September mit 30 500 Arbeitnehmern dem Statistischen Landesamt gemeldet, und zwar einschließlich der Angestellten, der Auszubildenden und der mithelfenden Familienangehörigen. Das sind 6 300 Beschäftigte weniger als vor einem Jahr.

Da auch der Bereich der Facharbeiter in gleichem Umfang mit rückläufig ist, geht diese Entwicklung immer mehr zu Lasten der Leistungsfähigkeit der Berliner bauausführenden Wirtschaft.

Auch das Berliner Handwerk berichtet von gesunkenen Personalzahlen. Im Bauhauptgewerbe haben die Betriebe die Zahl ihrer Beschäftigten um 1,6 % reduziert.


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3. Preissituation


Die rückläufige Entwicklung der Baupreise setzte sich auch im 3. Quartal 2000 weiter fort. Der Preisindex für den Neubau von Wohnungen erreichte im August 2000 mit 93,0 Punkten (Basis 1995 =100) einen neuen Tiefstand; gegenüber dem vergleich-baren Monat des Vorjahres ist somit eine Veränderung von 2,3 % zu registrieren.

Für Bürogebäude errechnete das Statistische Landesamt im Vorjahresvergleich einen Preisrückgang um 1,3 %; der Index erreichte hier auf der Basis 1995 = 100 einen Stand von 95,1. Der Preisindex für gewerbliche Betriebsgebäude betrug 95,4 (Basis 1995 = 100); er sank im Berichtszeitraum um 1,0 %. Überproportional stark sanken die Preise für Schönheitsreparaturen in Wohnungen, sie sind im August 2000 um 4,2 % gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresmonat zurückgegangen.

Der Rückgang des Teilindex für Rohbauarbeiten, der mit einer Gewichtung von 50 % in die Berechnung einfließt, fiel mit - 3,7 % höher aus als der Gesamtindex. Der Index betrug 88,2 (Basis 1995 = 100). Preiserhöhungen waren bei Stahlbauarbeiten (+ 1,4 %) und für Abdichtungsarbeiten (+ 1,7 %) zu verzeichnen. Preisnachlässe wurden bei Zimmer und Holzbauarbeiten (- 6,5 %), Gerüstarbeiten (- 6,2 %), Entwässerungskanalarbeiten (- 5,3 %) sowie bei Erdarbeiten mit - 5,1 % registriert.
Der Teilindex für Ausbauarbeiten sank gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres um 1,0 % und erreichte einen Stand von 97,7 (Basis 1995 = 100). Die Preisbewegungen waren hier sehr unterschiedlich. Verglasungsarbeiten verteuerten sich um 10,1 %. Ebenso war ein Anstieg bei Förder, Aufzugsanlagen, Fahrtreppen und steige um 2,2 %, bei Metallbauarbeiten um 1,9 % und bei der Gebäudeautomation um 1,5 % zu verzeichnen. Starke Preisrückgänge wurden bei Tapezierarbeiten mit - 4,4 %, Putz und Stuckarbeiten mit - 4,2 %, Fliesen und Plattenarbeiten mit - 3,8 % sowie Parkettarbeiten mit - 3,0 % registriert.
Auch bei dem für Berlin typischen Preisindex aller Tiefbauleistungen war ein Rückgang festzustellen. Er betrug 86,6 (Basis 1995 = 100) und lag damit um 2,6 % unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Im Leitungsbau gaben die Preise sogar um 4,4 % nach; im Ingenieurbau und sonstigen Tiefbau gingen sie um 3,6 % bzw. 3,7 % zurück. Lediglich im Straßenbau blieben die Preise im Vergleich zum Vorjahr konstant.

Anders als in Berlin sind im gesamten Bundesgebiet die Baupreise im Durchschnitt aller Bauleistungen angestiegen. Über alle Bundesländer gesehen lagen sie für Bauleistungen an Wohngebäuden (Neubau) im August 2000 um 0,3 % höher als vor einem Jahr. Der bundesweite Index betrug im Monat August 98,7 (Basis 1995 = 100).

Die Baustoffpreise blieben im dritten Quartal gegenüber dem zweiten Quartal 2000 unverändert. Lediglich bei Walzwerkerzeugnissen (Formstahl) war eine Erhöhung von 4,6 % zu beobachten. Die Preise für Dieselkraftstoff und leichtes Heizöl stiegen im dritten Quartal noch einmal kräftig an. Leichtes Heizöl verteuerte sich gegenüber dem zweiten Quartal um 27,7 % und Dieselkraftstoff erhöhte sich um 15,3 %. Der Kupferpreis bewegt sich weiter auf hohem Niveau und stieg im Vergleich zum zweiten Quartal 2000 um + 4,9 % an.


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4. Arbeitsmarkt


Im Berichtszeitraum des dritten Quartals 2000 vermochten es die saisonalen Einflüsse nicht, die Grundtendenz auf dem Teilarbeitsmarkt für Bauberufe umzukehren. Zwar hat sich die Zahl der Berliner Bauarbeiter ohne Beschäftigung in diesen drei Monaten um rd. 1000 Personen vermindert, dies war aber die übliche saisonale Arbeitsmarktentlastung. Die Terminzwänge zur Fertigstellung der Bauten sowie die Bemühungen, begonnene Hochbauten vor Wintereinbruch unter Dach zu bekommen, steigern gewöhnlich in dieser Zeit die Bauaktivitäten erheblich.

Insgesamt wurden Ende des Quartals weiterhin mehr arbeitslose Bauarbeiter als vor einem Jahr gezählt, der Vorjahresstand um 1 651 übertroffen. Somit kann die Bauwirtschaft nicht an die Entwicklung in anderen Wirtschaftszweigen mit Ausweitung der Beschäftigung und Entlastung des Arbeitsmarktes anknüpfen. Die Arbeitsmarktsituation stellt sich wie folgt dar:

Arbeitsmarktdaten am 30. September
1999 2000
Arbeitslose Bauarbeiter 24 044 (23,3 %) 25 695 (28,1 %)
Offene Stellen 731 456

Die Nachfrage nach Arbeitskräften der Bauberufe bewegt sich auf unvermindert niedrigem Stand. Ende September 2000 wurden 456 offene Stellen für Arbeitnehmer in den Bauberufen den Arbeitsämtern gemeldet; vor einem Jahr waren es 731 offene Stellen. Das Instrument der Kurzarbeit zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit wird im Baugewerbe weiterhin intensiv genutzt. Im September arbeiteten 1 342 Arbeitneh-mer verkürzt, 713 Arbeitnehmer mehr als vor einem Jahr.


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5. Ausschreibungsergebnisse


Entsprechend dem reduzierten Haushaltsansatz verringerte sich das öffentliche Vergabevolumen der ersten drei Quartale des Jahres 2000 gegenüber dem Vorjahreszeitraum und erreichte im dritten Quartal seinen Jahrestiefstand. An diesem reduzierten Volumen konnten sich die Betriebe mit Sitz in Berlin auch im Berichtszeitraum wie bereits in den Vorquartalen weiterhin erfolgreich im Wettbewerb behaupten und den weit überwiegenden Teil an sich binden. Auch in dem wertgewichtigen Vergabesegment des Offenen Verfahrens, also im europäischen Wettbewerb, ergingen na-hezu sämtliche Aufträge an Berliner Betriebe.

Die Auswertung der Auftragsvergaben der Berliner Baudienststellen besagt, dass die durchschnittlichen Einzelauftragswerte im dritten Quartal nochmals deutlich zurückgingen. Sie näherten sich im bisherigen Jahresdurchschnitt den Vorjahreswerten an und sind Zeichen für die Bemühungen der Baudienststellen, die Aufträge kleinteilig zu vergeben.

Erfahrungsgemäß erreicht die Kapazitätsauslastung im dritten Quartal einen saison-bedingten Jahreshöchststand. Für den Tiefbau meldet der Konjunkturtest der bauausführenden Wirtschaft unveränderte Autragsreichweiten bei kompletten Kapazi-tätsauslastungen. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass auch die Beschäftigten-zahlen in den Betrieben überwiegend reduziert worden sind. Das Bauhandwerk registrierte im Vergleich zum Vorjahr infolge der verminderten Nachfrage verkürzte Auftragsreichweiten und verringerte Kapazitätsauslastungen.

Der seit Februar 1997 zu beobachtende Abwärtstrend der Baupreise setzte sich auch im dritten Quartal 2000 fort. Gegenüber dem Vorjahr wurden hierbei wiederum überproportionale Abschläge bei Rohbauarbeiten und unterproportionale Rückgänge bei Ausbauarbeiten verzeichnet. Die Auswertungsergebnisse der Angebote deuten insgesamt weiter darauf hin, dass z.T. sehr niedrig kalkulierte Angebote abgegeben werden, die die Gefahr einer nicht fachgerechten Ausführung in sich bergen.


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6. Ausschöpfung der Haushaltsmittel

(einschließlich Unterhaltungsmaßnahmen sowie Auftragsverwaltung des  Bundesministers für Verkehr)

Insgesamt standen zum Ende des dritten Quartals 2000 Baumittel des Landes-haushalts (ohne Zuweisungen und Zuwendungen für Bauinvestitionen) in Höhe von 1 552,6 Mio. DM (Vorjahr: 1 796,4 Mio. DM) zur Verfügung. Für den Hochbau waren es 1 087,1 Mio. DM (Vorjahr: 1 256,3 Mio. DM), und auf den Tiefbau entfielen 465,5 Mio. DM (Vorjahr: 540,1 Mio. DM). Insgesamt verfügten die öffentlichen Dienststellen Berlins somit um 13,6 % entsprechend 243,8 Mio. DM weniger Mittel als vor einem Jahr.

Im dritten Vierteljahr wurden für 176,4 Mio. DM Hochbauaufträge vergeben, das sind 36,2 Mio. DM oder 17,0 % weniger als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Im Tiefbau lag die Bestelltätigkeit ebenfalls unter der des Vorjahres, hier wurden von öffentlichen Dienststellen Maßnahmen in Höhe von 80,0 Mio. DM vergeben, das sind 6,7 Mio. DM oder 7,7 % weniger. Die Auftragsbindung lag im Hochbau mit 85,8 % (Vorjahr: 83,2 %) deutlich über dem Vorjahresniveau und im Tiefbau mit 85,8 % (Vorjahr: 85,1 %) minimal darüber.

Der Abrechnungsstand der Baumaßnahmen Berlins fiel zum Ende des dritten Quartals 2000 sowohl im Hoch als auch im Tiefbau höher aus als vor einem Jahr. Die geleisteten Zahlungen beliefen sich im Hochbau auf 48,1 % der verfügbaren Mittel (Vorjahr: 47,9 %), und im Tiefbau waren 47,0 % der Baumittel kassenmäßig ausge-schöpft (Vorjahr: 43,6 %).


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7. Gesamtbeurteilung der Baukonjunktur


Im Gegensatz zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist das Baugewerbe weit von einer guten Konjunkturlage entfernt. Das gilt bundesweit, aber besonders für die Berliner und Brandenburger Bauwirtschaft. Hier haben sich Wirtschaftsentwicklung und Geschäftserwartungen erheblich verschlechtert. Die Beschäftigtenzahlen des Berliner Bauhauptgewerbes sind auf den niedrigsten Stand seit der Wende gefallen. Zum 30. September 2000 zählte das Berliner Bauhauptgewerbe nur noch rd. 30 500 Beschäftigte. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Verlust an Arbeitsplät-zen in Höhe von 17,2 %.

Von zwischenzeitlichen Schwankungen bei den Auftragseingängen einmal abgesehen, ist eine durchgreifende Besserung oder gar Trendwende nicht in Sicht. Die Bauabsichten gewerblicher Investoren, privater Bauherren sowie der öffentlichen Hände schwächen sich nach Interpretation des Frühindikators "Baugenehmigungen" weiter ab. Die Konjunkturaussichten müssen somit vorsichtiger eingeschätzt werden, da der abklingende einigungs und hauptstadtbedingte Bauboom Spuren hinterlässt.


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8. Empfehlungen


Untersuchungen der öffentlichen Vergabetätigkeit haben ergeben, dass die einheimischen Bauunternehmen im Wettbewerb um Bauaufträge Berlins den ganz überwiegenden Teil für sich verbuchen können. Gleichwohl bleiben die gewünschten Beschäftigungswirkungen in der Stadt aus. Die Anstrengungen der Berliner Baudienststellen müssen sich somit weiterhin darauf konzentrieren, dass das öffentliche Auftragsvolumen mittels kleinteiliger Vergabe und Begrenzung des Nachunternehmereinsatzes zu Beschäftigungswirkungen für die einheimischen Baukapazitäten führt.