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Archiv: Berliner Baukonjunktur

Bericht Berliner Bauwirtschaft 2/2002


Vierteljahresbericht über die Entwicklung
der Berliner Bauwirtschaft 2/2002

(publiziert im November 2002)

1. Auftragslage


Nach einer Belebung der Nachfrage zu Beginn des Jahres 2002 verzeichnete das Berliner Bauhauptgewerbe im zweiten Quartal des laufenden Jahres erneut einen Rückgang der Auftragseingänge. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal verringerten sich die Bestellungen von April bis Juni um insgesamt 8,2%, davon um 12,1% im Hochbau sowie um 2,6% im Tiefbau. Von der Rückläufigkeit am stärksten betroffen waren der öffentliche Straßenbau mit einem Minus von 41,6% und der Wohnungsbau (-21,5%). Die Bestellwerte der öffentlichen Hand beim Berliner Bauhauptgewerbe verringerten sich um insgesamt 9,8%, wohingegen jene der gewerblichen Bauherren um 2,2% leicht zunahmen.

Bei der Betrachtung der Auftragseingänge für das gesamte erste Halbjahr 2002 zeigt sich gegenüber der Vorjahresfrist ein Zuwachs von insgesamt 7,7% (Deutschland -6,5%), darunter 6,1% im Hochbau (Deutschland -12,0%) und 10,4% im Tiefbau (Deutschland +0,9%). Hier dürften die im 1. Quartal erfolgten Bestellungen durch einige Großprojekte zu Buche schlagen und damit das Bild einer Steigerung zeichnen. Dennoch kann die sich zu Jahresbeginn andeutende Stabilisierung und Trendwende der baukonjunkturellen Lage im zweiten Quartal aufgrund der Auftragsentwicklung beim Berliner Bauhauptgewerbe vorerst kaum bestätigt werden.

Der noch zu Jahresbeginn infolge fehlender Aufträge erheblich geschrumpfte Auftragsbestand des Berliner Bauhauptgewerbes erhöhte sich von rund 954 Mio.€ im ersten Quartal auf rund 1.017 Mio.€ im Berichtszeitraum und erreichte damit annähernd das Volumen der vergleichbaren Vorjahreszeit (-0,3%). Die gegenüber dem Vorquartal erhöhten Bestände noch abzuarbeitenden Aufträge betreffen sowohl den Hochbau als auch den Tiefbau. Im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresfrist erhöhten sich die Auftragsvorräte jedoch ausschließlich beim Hochbau (+4,2%), wohingegen bei Tiefbauleistungen eine Abnahme um 8,2% zu verzeichnen ist. Bezogen auf das gesamte 1. Halbjahr 2002 zeigt sich gegenüber der Vorjahresfrist jedoch ein Rückgang (-5,0%), darunter mit einem Minus beim Tiefbau (-15,1%) und einem leichten Plus beim Hochbau (+1,0%). Geschrumpft sind insbesondere die Auftragsvorräte im Wohnungsbau (-12,5%) und im öffentlichen Bau (-9,2%), während jene des gewerblichen Baus das Vorjahresniveau geringfügig überstiegen (+0,1%).

Die Handwerkskammer Berlin berichtet aus dem bauhauptgewerblichen Bereich von Anzeichen einer Beendigung des Konjunkturabschwungs und damit von einer etwas besseren, wenn auch weiterhin schwierigen Lage. Obwohl die durchschnittlichen Auftragsreichweiten verkürzt sind, werden die Indikatoren Auftragseingang und Umsatz besser als vor einem Jahr bewertet. Hervorgehoben wird eine heterogene Entwicklung der Auftragseingänge in der Branche, die bei jedem vierten Betrieb zu unerwarteten Auftragszuwächse führte, während auch mehr Betriebe als zunächst angenommen Auftragsrückgänge verkraften mussten. Von den Betrieben des Ausbaugewerbes wird die konjunkturelle Lage angesichts verminderter Auftragseingänge, gestiegener Beschaffungspreise sowie des anhaltenden Preiskampfes bei der Auftragsvergabe schlechter als ursprünglich prognostiziert beurteilt. Sowohl vom Ausbaugewerbe als auch vom Bauhauptgewerbe werden Rückgange der Beschäftigtenzahlen gemeldet.

Analog der Entwicklung der Auftragseingänge zeichnet sich auch bei den Baugenehmigungen nach einer Belebung im ersten Quartal im Berichtszeitraum eine deutliche Abschwächung der Genehmigungstätigkeit ab. Die Bauaufsichtsämter Berlins haben im zweiten Quartal 2002, gemessen am umbauten Raum, insgesamt 27,7% weniger Erlaubnisse für Hochbauten ausgesprochen als im Vorjahresquartal. Die Rückgänge lagen insbesondere bei Wohngebäuden (-27,3%) sowie bei Industrie- und Gewerbegebäuden (-34,2%). Demgegenüber erreichte die genehmigte Kubatur öffentlicher Bauten nahezu den Vorjahreswert (-0,4%). Obwohl die Baugenehmigungen im ersten Quartal deutlich zunahmen, ergibt sich für das gesamte erste Halbjahr 2002 im Vergleich zur Vorjahresfrist auch weiterhin eine Abnahme (-15,7%), darunter -32,2% bei Wohngebäuden, -4,3% bei Industrie- und Gewerbegebäuden sowie -1,5 % bei öffentlichen Gebäuden. Die Baugenehmigungsstatistik als Frühindikator künftiger Bauaktivitäten lässt somit weiterhin eine abnehmende Bautätigkeit erwarten.

Gemessen am insgesamt im Land Berlin im ersten Halbjahr 2002 genehmigten umbauten Raum betrug der Anteil für Industrie- und Gewerbegebäude 53,3%, für Wohngebäude 33,7% und für öffentliche Gebäude 13,0%.

Demgegenüber ist für Industrie- u. Gewerbebauten eine Trendwende erkennbar. Verringerte sich der umbaute Raum der Baugenehmigungen für Industrie- u. Gewerbebauten im Jahr 2000 gegenüber 1999 noch um 38,6%, so wurde im ersten Halbjahr 2001 gemessen an der Vorjahresfrist ein Anstieg von 6,9% gemeldet.

Bauaufsichtliche Genehmigungen im Land Berlin (m3 umbauter Raum)
Abweichung in % - 2. Vierteljahr 2002/2. Vierteljahr 2001

Wohnungsbau: - 27,3
Öffentlicher Bau: - 0,4
Industrie und Gewerbe: - 34,2
Insgesamt: - 27,7


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2. Bautätigkeit


Die Entwicklung der Bautätigkeit, der Beschäftigtenzahlen sowie der Umsätze des Berliner Bauhauptgewerbes sind wie bereits im Vorquartal auch im Berichtszeitraum abwärts gerichtet. Die Personalkapazitäten bewegen sich weiterhin auf dem niedrigsten Stand seit dem Fall der Mauer. Die Beschäftigtenzahlen sind innerhalb eines Jahres - Stand 30. Juni 2002 - um 4.454 Personen oder 16,4% reduziert worden. Insgesamt verringerte sich der Personalstand aller Berliner Betriebe des Bauhauptgewerbes zum 30. Juni 2002 auf 22.747 tätige Personen (einschl. Inhaber und mithelfender Familienangehöriger). Besonders deutliche Abschichtungen erfolgten darunter erneut bei den gewerblichen Arbeitnehmern (-16,6%). Dieser Rückgang offenbart weiterhin die ansteigende Einbeziehung von Subunternehmen bei der Realisierung der Bauleistungen und damit auch die stärkere Einbindung auswärtiger Arbeitskräfte in die Bautätigkeit. Die Ursachen liegen in den niedrigeren Lohnkosten auswärtiger Bauarbeiter.

Analog zu den zurückgefahrenen Personalkapazitäten bewegten sich die Leistungen des Berliner Bauhauptgewerbes im zweiten Quartal 2002 ebenfalls auf sehr niedrigem Niveau. Die Bauaktivitäten sind gemessen an den geleisteten Arbeitsstunden gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal um 19,4% zurückgegangen. Der Schwerpunkt dieser Abnahme liegt mit einem Minus von 23,2% beim Hochbau gegenüber einem Rückgang von 11,0% beim Tiefbau. Besonders stark haben sich die Aktivitäten im gewerblichen Hochbau (-29,8%) und im öffentlichen Straßenbau (-28,3%) abgeschwächt.


Über das gesamte erste Halbjahr 2002 gesehen lag die Bautätigkeit um insgesamt 16,9% unterhalb der Vorjahresproduktion, darunter -20,1% im Hochbau sowie -9,7% im Tiefbau. Besonders betroffen waren der gewerbliche Hochbau (-27,0%) und der öffentliche Straßenbau (-21,4%). Unterproportionale Rückgänge verzeichneten demgegenüber der gewerbliche Tiefbau (-1,4%) und der öffentliche sonstige Tiefbau (-9,7%).

Die Umsatzzahlen des Berliner Bauhauptgewerbes weisen ähnliche Tendenzen wie die übrigen Konjunkturdaten auf. Von Januar bis Juni meldeten die Berliner Betriebe des Bauhauptgewerbes um 22,9% niedrigere Umsätze als in der vergleichbaren Zeit des Vorjahres. In der Sparte des öffentlichen Bauens ging der Umsatz des Bauhauptgewerbes gegenüber der Vorjahresfrist unterproportional um 6,2% zurück. Überproportionale Umsatzeinbußen insbesondere beim gewerblichen Hochbau (-39,9,%) verdeutlichen, dass der Rückgang nicht nur durch verminderte Aufträge aus dem Landeshaushalt bedingt ist, sondern vielmehr durch die weitgehende Fertigstellung und Abrechnung der Gewerbebauten in Berlin.

Die Handwerkskammer Berlin berichtet für das zweite Quartal 2002, dass im Bauhauptgewerbe, bei einer um knapp 4% gesunkenen Beschäftigtenzahl, die Quote der Betriebsauslastung gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal angestiegen sei. Im Ausbaugewerbe hingegen belief sich der Auslastungsgrad der Produktionskapazitäten trotz Beschäftigungsabbau unterhalb der Vorjahresfrist.


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3. Preissituation


Die rückläufige Entwicklung der Baupreise setzte sich auch im zweiten Quartal des Jahres 2002 fort; im Vorjahresvergleich aber nur noch um -1,0 Prozent. Der Preisindex für den Neubau von Wohngebäuden erreichte zur Quartalsmitte Mai mit 90,9 Punkten (1995 = 100) erstmals seit August 1999 keinen Rückgang zum Vorquartal (0,1%).

Auch der Rückgang des Wohngebäude-Teilindex für Rohbauarbeiten, der mit einer Gewichtung von 50% in die Berechnung eingeht, hat sich verlangsamt. Er betrug im Berichtsquartal -1,7% und erreichte einen Stand von 84,9 Punkten (1995 = 100). Preiserhöhungen wurden bei Erdarbeiten (+1,2%) und Stahlbauarbeiten (+0,7%) gemeldet. Bei den übrigen in diesen Teilindex eingehenden Bauleistungen ergaben sich Preisrückgänge zwischen 0,7% (Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten) und 5,1% (Zimmer und Holzbauarbeiten).

Die Preise für den Wohngebäude-Teilindex Ausbauarbeiten (Gewichtung 50%) gingen im Mai 2002 im Vergleich zum Gesamtindex unterproportional nur um 0,3% zurück. Der Teilindex erreichte einen aktuellen Stand von 96,9 Punkten (1995 = 100). Die Preisveränderungen bei den in die Berechnung eingehenden Bauleistungen reichen hier von einem Preisanstieg um 5,3% für Gussasphaltarbeiten bis zu einem Preisrückgang um 4,0% bei Tapezierarbeiten.
Nicht nur beim Neubau von Wohngebäuden, sondern auch bei der Errichtung neuer Bürogebäude wurde gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres ein Preisrückgang (-0,5%) verzeichnet. Der entsprechende Index ging auf 94,2 Punkte (1995 = 100) zurück.

Ein deutlicher Preisrückgang konnte erneut bei dem für Berlin typischen Index aller Tiefbauleistungen festgestellt werden. Die Indexziffer sank im Mai 2002 auf den niedrigsten Stand seit 10 Jahren und liegt nunmehr bei 84,3 Punkten (1995=100). Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Rückgang von -2,2%. Darunter den größten Rückgang verzeichnete der Leitungsbau (-5,3%), während der Straßenbauindex nur geringfügig fiel (-0,6%).

Für den Mai 2002 berechnete das Statistische Bundesamt den bundesweiten Preisindex für Bauleistungen an Wohngebäuden mit 98,5 (1995 = 100) gegenüber 98,6 Punkten für die Vorjahresfrist (-0,1%) sowie gegenüber 98,4 Punkten für den Februar 2002 (+0,1%)

Im zweiten Quartal 2002 blieben die Baustoffpreise im Vergleich zum vierten Quartal 2001 zum Großteil unverändert. Preiskorrekturen, die sich aus der Umstellung von DM in Euro ergaben, wurden bei Mauerwerkselementen (Kalksandsteine, Ziegel), Mörtel und Recyclingmaterial registriert. Betonzuschlagstoffe erhöhten sich bis zu 2,4%. Teilweise erhebliche Preisreduzierungen wurden für Spundwände
(-2,5%), für Zement (zwischen -5,5% und -13,0%), für Holz (zwischen -15,0% und -31,8%) und für Gehwegplatten (zwischen -21,4% und -38,8%) verzeichnet. Sowohl Preisreduzierungen als auch Preiserhöhungen waren bei Transportbeton (+0,5% bis -3,8%) und bei Pflastermaterial (zwischen +11,8% und -9,9%) zu beobachten.

Die Preise für Dieselkraftstoff erhöhten sich um 2,9%. Für leichtes Heizöl blieben die Preise gegenüber dem vierten Quartal 2001 fast unverändert (+0,2%).
Der Kupferpreis erhöhte sich im zweiten Quartal 2002 gegenüber dem vierten Quartal 2001 um 8,8%.


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4. Arbeitsmarkt


Tendenzen einer Entspannung sind anhand der Daten des Arbeitsmarktes für Bauberufe nicht erkennbar. Nur in saisonaler Hinsicht hat sich die Situation im Laufe des Quartals etwas verbessert. Die Zahl der arbeitslosen Bauarbeiter ist in diesem Zeitraum um 3.326 Personen zurückgegangen; das Vorjahresniveau wurde aber immerhin noch um 1.187 Personen übertroffen. Die Arbeitslosenquote verzeichnet zwar zum 30. Juni 2002 mit einem Stand von 34,2% gegenüber dem 31. März einen Rückgang um 4,8 Punkte, erhöhte sich jedoch gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Punkte. Die Zahl der arbeitslosen Bauarbeiter am 30. Juni 2002 ist mit 29.635 Beschäftigten gegenüber dem Vorjahr um 4,2% gestiegen.

Erfreulich positiv hat sich die Nachfrage nach Arbeitskräften für das Baugewerbe im zweiten Quartal entwickelt. Zum Quartalsende lagen 696 Gesuche vor, die sich aber überwiegend auf Fachkräfte richten. Vor einem Jahr waren es lediglich 301 offene Stellen.

Im Jahresvergleich stellt sich die Arbeitsmarktsituation in dem Teilbereich für Bauberufe wie folgt dar:

Arbeitsmarktdaten am 30. Juni
2001 2002
Arbeitslose Bauarbeiter 28.448 (32,8%) 29.635 (34,2%)
Offene Stellen 301 696

Auch bei der Kurzarbeit war trotz verhältnismäßig guter Witterungsbedingungen nur eine Entlastung von 11 Personen zu verzeichnen. Vor einem Jahr arbeiteten 1.359 Bauleute verkürzt; im Juni 2002 waren es fast unverändert 1.348 Beschäftigte.


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5. Ausschreibungsergebnisse


Nach Auswertung der Auftragsvergaben der Berliner Baudienststellen konnten sich die Berliner Baubetriebe auch im laufenden Jahr erfolgreich im Wettbewerb um Bauaufträge des Landes Berlin behaupten und damit die Tendenz der vergangenen Jahre erneut fortsetzen. Der weit überwiegende Teil, d.h. rund 83% des Auftragsvolumens, wurde im ersten Halbjahr 2001 an Betriebe mit Sitz in Berlin vergeben. Es wurde ferner festgestellt, dass in dem besonders wertgewichtigen Vergabesegment des europaweiten offenen Verfahrens Berliner Unternehmen 97% des Vergabevolumens akquirieren konnten.

Wie bereits im Vorquartal beliefen sich auch im Berichtszeitraum die durchschnittlichen Einzelauftragswerte erheblich unter den Vorjahreswerten, womit das Bemühen der Baudienststellen verdeutlicht wird, die Aufträge kleinteilig zu vergeben. Hiermit werden kleinen und mittleren Unternehmen bessere Chancen bei der Teilnahme am Wettbewerb ermöglicht.

Der unvermindert anhaltende Wettbewerbsdruck führte häufig zu einem Preiskampf mit Angebotspreisen, deren Angemessenheit oftmals in Frage zu stellen war. In Zweifelsfällen von den Bietern eingeholte Angaben zur Kalkulation wiesen zunehmend auf die Unterschreitung der in Berlin geltenden Entgelttarife, auf zu gering bemessene gesetzliche und tarifliche Lohnnebenkosten, auf zu gering bemessene Zeitansätze sowie auf Preisbildungen ohne kalkulatorische Berücksichtigung von einzelnen Teilleistungen, Wagnis und Gewinn oder allgemeinen Geschäftskosten hin.

Die Auswertungsergebnisse deuten insgesamt weiter darauf hin, dass z.T. zu niedrig kalkulierte Angebote abgegeben werden, die den Einsatz von Billiglohnkräften und damit keine fachgerechte Ausführung vermuten lassen.


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6. Ausschöpfung der Haushaltsmittel


(einschließlich Unterhaltungsmaßnahmen sowie Auftragsverwaltung des Bundesministers für Verkehr)

Für Investitionen und bauliche Unterhaltung im öffentlichen Hoch- und Tiefbau standen per 30. Juni 2002 insgesamt 34,8 Mio. € weniger Mittel zur Verfügung als vor einem Jahr. Dies entspricht zwar nur einer Abnahme von 5,4%, es sei jedoch angemerkt, dass zum oben genannten Zeitpunkt der Doppel-Haushaltsplan 2002/2003 noch nicht verabschiedet war. Infolge des Doppel-Haushaltes ist von einer erheblich höheren Reduzierung der Baumittel, insbesondere im Hochbau, auszugehen.

Zum Ende des zweiten Quartals 2002 standen für Hochbauinvestitionen und baulichen Unterhaltung über 391,4 Mio. € zur Verfügung. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres (441,5 Mio. €) standen somit 50,1 Mio. € weniger Mittel bereit, das entspricht einem Minus von 11,3%. Während per 30. Juni des 2001 bereits für 330,4 Mio. € Aufträge zu Lasten des laufenden Haushaltsjahres erteilt waren, beläuft sich die Auftragsvergabe zum Ende des Berichtsquartals auf 204,2 Mio. €. Dementsprechend lag die Auftragsbindung im Hochbau mit 52,2% deutlich unter dem Vorjahreswert von 74,8%. Auch die geleisteten Zahlungen - bisher 110,0 Mio. € - bewegen sich merklich unter dem Vorjahresniveau von 132,6 Mio. € (-17,0%). Die Ausschöpfungsquote liegt hingegen mit 28,1% im Mittel der letzten acht Jahre.

Für Baumaßnahmen des Tiefbaus standen für Investitionen und bauliche Unterhaltung per 30. Juni 2002 Mittel in Höhe von 216,5 Mio. € zur Verfügung, das waren 15,3 Mio. € beziehungsweise 7,6% weniger als im Vorjahr (2001: 202,2 Mio. €). Bis zum Quartalsende betrug das Auftragsvolumen zu Lasten des laufenden Haushaltsjahres 127,8 Mio. €, während vor einem Jahr bereits für 155,4 Mio. € Tiefbauaufträge erteilt worden waren. Die Auftragsbindung für das laufende Haushaltsjahr liegt mit 59,0% weit unter dem Vorjahreswert von 75,6%. Abgerechnet wurden 43,3 Mio. € (Vorjahr: 52,2 Mio. €), das entspricht einer Mittelausschöpfung von 20,0%.

Über die Höhe der Verpflichtungsermächtigungen zu Lasten künftiger Haushaltsjahre kann derzeit noch keine Angabe gemacht werden.


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7. Gesamtbeurteilung der Baukonjunktur


Die Lage in der Bauwirtschaft ist weiterhin schwierig. Dabei sind insbesondere die Baunachfrage, der Preisverfall bei den Bauleistungen sowie die hohe Beteiligung auswärtiger Bieter am Baugeschehen in der Stadt für die weiteren Geschäftsaussichten zu berücksichtigen. Obwohl die Auftragseingänge im Berliner Bauhauptgewerbe im ersten Halbjahr 2002 leicht zunahmen, muss angesichts weiterhin rückläufiger Baugenehmigungen mit einer weiteren Abwärtsentwicklung in leicht abgeschwächter Form gerechnet werden. Diese negative Tendenz resultiert vor allem aus dem weiterhin stark rückläufigen Wohnungsbau.

Auf Grund der sehr schwachen Auftragseingänge sind die Personaldispositionen der Berliner bauausführenden Wirtschaft im Berichtszeitraum zurückhaltend ausgefallen und die Freisetzungen in den Wintermonaten auch im zweiten Quartal nicht ausgeglichen worden. Weiterhin sind Bestrebungen spürbar, kostengünstigere Kapazitäten aus dem Umland und aus den übrigen neuen Bundesländern einzusetzen.

Da der Berliner Haushalt (einschließlich Zuwendungen und Zuschüssen) nur einen Anteil von ca. 15% am gesamten Baugeschehen in der Stadt hat, ist die Gesamttendenz nicht umkehrbar und sind Einflüsse auf die konjunkturelle Entwicklung und den Arbeitsmarkt nur in diesem Umfang durch das Land Berlin steuerbar. Auch Impulse für den Arbeitsmarkt können daher nur marginal sein, zumal ein Teil der vom Land Berlin an Unternehmen mit Sitz in Berlin vergebenen Bauaufträge von diesen an auswärtige Nachunternehmen weitervergeben werden. Die Bauleistung der in Berlin ansässigen Betriebe fiel somit weitaus schwächer aus als sonst zu dieser Jahreszeit. Auf dem Berliner Arbeitsmarkt konnten sich in Anbetracht der insgesamt schwachen Baunachfrage keine Entspannungstendenzen durchsetzen.