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Archiv: Berliner Baukonjunktur

Bericht Berliner Bauwirtschaft 1/2002


Vierteljahresbericht über die Entwicklung
der Berliner Bauwirtschaft 1/2002

(publiziert im Juni 2002)

1. Auftragslage


Gemessen an den Auftragseingängen des Berliner Bauhauptgewerbes hellte sich die Ordertätigkeit im ersten Quartal des Jahres 2002 deutlich auf. Erstmalig seit dem Jahre 1998 nahmen die Bestellungen im Vergleich zur Vorjahresfrist wieder deutlich zu. Zurückzuführen ist das insbesondere auf eine durch Großprojekte beeinflusste exorbitante Zunahme der Bestellungen aus Industrie und Gewerbe (+ 44,3 %) wie auch auf eine erhöhte Nachfrage der öffentlichen Hand (+ 14,3 %). Demgegenüber setzte sich der Abwärtstrend bei den Auftragseingängen aus der Wohnungswirtschaft mit einem Minus von 16,7 % weiter fort. Insgesamt betrachtet betrug der Anstieg im ersten Vierteljahr gegenüber dem vergleichbaren Vorjahres-zeitraum 25,6 %, darunter 24,0 % beim Hochbau und 28,8 % beim Tiefbau. Aussagen über eine Trendwende der baukonjunkturellen Lage sind jedoch noch verfrüht und erst bei anhaltender Tendenz im weiteren Jahresverlauf möglich.

Berichten der Handwerkskammer Berlin zufolge füllten sich die Auftragsbücher für die Mehrzahl der Betriebe des Bauhaupt- und des Ausbaugewerbes im ersten Quartal 2002 nicht wie erwartet und unterschritten die Auftragsergebnisse des Vorjahres.

Die Auftragsbestände für das Berliner Bauhauptgewerbe beliefen sich im Berichtszeitraum auf rund 954 Mio. €, und lagen damit nur geringfügig unter den Beständen der beiden Vorquartale. Gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum verminderten sich die noch abzuarbeitenden Aufträge um 9,4 %, darunter -2,1 % beim Hochbau und -21,8 % beim Tiefbau. Deutliche Rückgänge verzeichnete erneut der Wohnungsbau (-17,8 %) wie auch der öffentliche Bau (-15,0 %) während der gewerbliche Bau das Niveau der Vorjahresfrist annähernd hielt.

Die Handwerkskammer berichtet für das Bauhauptgewerbe von Auftragsreichweiten und Betriebsauslastungen, die im ersten Quartal des laufenden Jahres im Vergleich zur Vorjahresfrist geringfügige Verbesserungen zeigten. Demgegenüber sind den Berichten zufolge diese Konjunkturindikatoren im Ausbaugewerbe abwärts gerichtet.

Neben einer Belebung bei den Auftragseingängen lässt auch die Baugenehmigungsstatistik als Frühindikator künftiger Bauaktivitäten eine leicht zunehmende Bautätigkeit erwarten. Die Bauaufsichtsämter Berlins haben im ersten Vierteljahr 2002, gemessen am umbauten Raum 11,4 % mehr Erlaubnisse für Hochbauten ausgesprochen als im entsprechenden Vorjahresquartal. Der Schwerpunkt der Genehmigungen lag mit einem Plus von 124,0 % bei Industrie- und Gewerbebauten, während der öffentliche Hochbau geringfügig um 5,2 % zurückging. In Anbetracht des Überhanges an Wohnungen setzte sich der Abwärtstrend bei den Wohnungsbaugenehmigungen erneut fort; die Kubatur für Wohnungsbauten verminderte sich gegenüber der Vorjahresfrist um 37,9 %.

Die sich bereits im Vorjahr abzeichnende Entwicklung einer Verschiebung der Schwerpunkte der Genehmigungstätigkeit ist auch für den Berichtszeitraum festzustellen. Gemessen am insgesamt im Land Berlin genehmigten umbauten Raum verminderte sich der Anteil für Wohngebäude auf 35,0 %, während der Anteil für Industrie- und Gewerbebauten auf 58,1 % anstieg. Der Anteil der Bauplanung der öffentlichen Hand schrumpfte im ersten Quartal des Jahres 2002 auf marginale 7,1 %.

Die Baugenehmigungsstatistik für Berlin stellt sich wie folgt dar.

Bauaufsichtliche Genehmigungen im Land Berlin (m³ umbauter Raum)
  Abweichung in %,
1. Vierteljahr 2001 / 1. Vierteljahr 2002
Wohnungsbau - 37,9
Öffentlicher Bau - 5,2
Industrie und Gewerbe + 124,0
Insgesamt + 11,4


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2. Bautätigkeit


Die Entwicklung der Bautätigkeit, Beschäftigtenzahlen sowie Umsätze des Berliner Bauhauptgewerbes ist im Berichtszeitraum wie bereits im Vorquartal weiterhin abwärts gerichtet. Die Personalkapazitäten bewegen sich weiterhin auf dem niedrigsten Stand seit dem Fall der Mauer. Die Zahl der Beschäftigten erreichte im März mit 23.263 tätigen Personen (einschl. Inhaber und mithelfender Familienangehöriger) einen neuen Tiefststand. Vor einem Jahr verfügte das Berliner Bauhauptgewerbe noch über 27.840 Beschäftigte. Der Rückgang von 16,4 % entspricht somit 4.577 Arbeitskräfte. Die gewerblichen Arbeitnehmer sind sogar überproportional, nämlich um 17,3 % zurückgegangen, darunter um 19,0 % bei den Facharbeitern und um 26,9 % bei den Auszubildenden.

Der anhaltende Abbau des gewerblichen Personals offenbart die weiterhin ansteigende Einbeziehung von Subunternehmen bei der Realisierung der Bauleistungen und damit die stärkere Einbindung auswärtiger Arbeitskräfte in die Bautätigkeit. Die Ursachen hierfür liegen in den niedrigeren Lohnkosten auswärtiger Bauarbeiter und dem sich daraus ergebenden Gewinnmitnahmeanreiz, sowohl für die Hauptauftragnehmer als auch für die Nachunternehmer. Der Personalabbau, insbesondere der gewerblichen Arbeitskräfte bedeutet erneut einen Aderlass für die Leistungsfähigkeit der Berliner Bauwirtschaft und deren Zukunftsaussichten.

Analog zu den zurückgefahrenen Personalkapazitäten bewegte sich die Leistung des Berliner Bauhauptgewerbes ebenfalls auf sehr niedrigem Niveau. Von Januar bis März 2002 sind die Bauaktivitäten - gemessen an den geleisteten Arbeitsstunden - um 14,0 % gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal zurückgegangen. Besonders schwach verliefen die Aktivitäten beim gewerblichen Bau (-17,5 %), darunter insbesondere beim gewerblichen Hochbau (-24,0 %) sowie auch im öffentlichen Bau (-12,6 %). Der Abwärtstrend zeigte sich besonders deutlich beim Hochbau mit einem Minus von 16,6 % gegenüber -8,0 % beim Tiefbau. Obwohl die Auftragslage durch einige Großprojekte eine steigende Tendenz aufzeigt, schlägt sich dies auf die geleisteten Arbeitsstunden noch nicht durch.

Dem negativen Trend der Bauproduktion und der Beschäftigten folgen auch die Umsätze des Berliner Bauhauptgewerbes. Von Januar bis März meldeten die Betriebe um 24,2 % geringere baugewerbliche Umsätze als in der vergleichbaren Zeit des Vorjahres. Der Relation nach die höchsten Umsatzeinbußen meldeten die Unternehmen bei Bauleistungen für Industrie und Gewerbe (-35,2 %) und bei Wohnungsbauleistungen (-21,4 %). Moderat und saisonal bedingt fiel hingegen der Umsatzrückgang von 6,2 % bei Bauleistungen für die öffentliche Hand aus.

Von der Handwerkskammer Berlin wird die Entwicklung im Berichtsquartal bezogen auf die verschiedenen Sparten unterschiedlich dargestellt. Während im Bauhauptgewerbe bei höheren Betriebsauslastungen längere Auftragsreichweiten gegenüber der Vorjahresfrist erzielt werden, berichten die Betriebe des Ausbaugewerbes von geringeren Betriebsauslastungen und kürzeren Auftragsreichweiten. Aus den Angaben ist insbesondere beim Bauhauptgewerbe ein verstärkter Stellenabbau zu schließen.


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3. Preissituation


Die rückläufige Entwicklung der Baupreise setzte sich auch in den ersten Monaten des Jahres 2002 fort. Der Preisindex für den Neubau von Wohngebäuden erreichte im ersten Quartal 2002 den tiefsten Stand seit Einführung des aktuellen Basisjahres und liegt nunmehr bei 90,8 Punkten (1995 = 100). Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Rückgang von 1,4 %. Ebenso wie beim Neubau von Wohngebäuden wurde für die Errichtung neuer Bürogebäude ein Preisrückgang (0,8 %) verzeichnet. Der entsprechende Index ging auf 94,1 Punkte (1995 = 100) zurück.

Innerhalb des Wohnungsneubaus sank der Teilindex für Rohbauarbeiten, der mit einer Gewichtung von 50 % in die Berechnung eingeht, um 2,1 %. Er erreichte einen Stand von 84,8 Punkten (1995 = 100). Preiserhöhungen wurden lediglich bei Stahlbauarbeiten mit 0,4 % und bei Entwässerungskanalarbeiten mit 1,5 % gemeldet. Bei allen anderen, in diesem Teilindex eingehenden Bauleistungen, wurden Rückgänge verzeichnet. Überproportional sanken die Preise für Zimmer- und Holzbauarbeiten (-5,2 %), Abdichtungsarbeiten (- 5,1%) sowie für Rammarbeiten (-4,9 %).

Die Preise für Ausbauarbeiten (Gewichtung 50 %) gingen im ersten Quartal 2002 unterproportional mit einem Minus von 0,7 % zurück, wobei die Preisentwicklung der einzelnen Bauleistungen sehr unterschiedlich war. Bei Gussasphaltarbeiten erhöhten sich die Preise um 7,0 % und bei Verglasungsarbeiten um 4,8 %. Preisrückgänge wurden bei Parkettarbeiten um 3,5 %, bei Tapezierarbeiten um 3,3 %, bei Trockenbauarbeiten um 2,6 % sowie bei Putz- und Stuckarbeiten um 2,5 % registriert.

Die Preise für Dieselkraftstoff erhöhten sich um 1,7 % gegenüber dem Vorquartal wohingegen sich diese für leichtes Heizöl um 3,9 % verringerten. Der Preis für Kupfer zog im letzten Quartal gegenüber dem vorhergehenden Quartal mit 10,6 % kräftig an.

Ein deutlicher Preisrückgang konnte erneut bei dem für Berlin typischen Index aller Tiefbauleistungen festgestellt werden. Die Indexziffer sank im Februar 2002 auf den niedrigsten Stand seit 10 Jahren und liegt nunmehr bei 84,9 Punkten (1995 = 100). Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Rückgang von 1,7 %. Die größten Rückgänge wurden im Leitungsbau (-4,4 %) und im Ingenieurbau (-2,5 %) verzeichnet, gegenüber einer leichten Steigerung von 0,5 % im Straßenbau.

Die Messzahlen für bestimmte Tief- und Straßenbauleistungen stellen sich im Februar wie folgt dar (Basis 1995 = 100)

  Februar Veränderungen in %
2001 2002
Bituminöse Tragschicht 86,2 86,8 +0,7
Frostschutzschicht herstellen 84,8 85,1 +0,4
Asphaltbinder 88,1 93,1 +5,7
Gussasphaltdecke 84,4 84,1 -0,4
Betonfahrbahndecke 95,2 95,0 -0,2


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4. Arbeitsmarkt


Auch im ersten Quartal des Jahres 2002 haben sich auf dem Arbeitsmarkt für Bauberufe keine Besserungstendenzen eingestellt. Im Monat März hat sich die Zahl der arbeitslosen Bauarbeiter gegenüber dem Vormonat sogar um 74 Personen erhöht. Gegenüber dem Vorjahr war die Zahl der am Ende des Quartals gemeldeten arbeitslosen Bauarbeiter um 1.330 höher. Damit waren Ende März 32.961 Bauarbeiter arbeitslos gemeldet, das sind 38,0 % aller verfügbaren Arbeitskräfte des Bauhaupt- und Ausbaugewerbes. Davon entfällt eine Quote von 48,2 % auf das Bauhauptgewerbe und von 29,3 % auf das Ausbaugewerbe.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften, gemessen an den bei den Arbeitsämtern gemeldeten offenen Stellen, hat sich seit Jahresbeginn deutlich belebt, konzentriert sich aber im wesentlichen auf Fachkräfte. Ende März 2002 wurden den Arbeitsämtern 482 offene Stellen für Arbeitnehmer in den Bauberufen gemeldet. Vor einem Jahr waren es noch 262. Trotz der gestiegenen Nachfrage erscheint es jedoch verfrüht, dies als Trendwende auf dem Berliner Arbeitsmarkt zu werten.

Im Jahresvergleich stellt sich am 31. März die Arbeitsmarktsituation in dem Teilbereich für Bauberufe wie folgt dar:

Arbeitsmarktdaten am 31. März
2001 2002
Arbeitslose Bauarbeiter
(Bauberufe einschl.
Maler- und Lackierer)
31.631 (36,5 %) 32.961 (38,0 %)
Offene Stellen 262 482

Auch bei der Kurzarbeit war trotz verhältnismäßig guter Witterungsbedingungen nur eine Entlastung von 440 Personen zu verzeichnen. Im März 2002 arbeiteten 1.647 Bauleute verkürzt, vor einem Jahr waren es 2087.


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5. Ausschreibungsergebnisse


Die Vergabetätigkeit der Baudienststellen der Hauptverwaltung und der Bezirke im Berichtszeitraum fiel aufgrund der Maßgaben der vorläufigen Haushaltswirtschaft gegenüber der entsprechenden Vorjahresfrist erheblich geringer aus. Die bisher nur in geringer Zahl eingegangenen Meldungen der Vergabedienststellen sind daher für repräsentative Aussagen hinsichtlich der Anteile der Vergabearten nur bedingt geeignet. Dennoch ist erkennbar, dass sich die Tendenz des vergangenen Jahres fortgesetzt hat, nach der Bieter aus Berlin die überwiegende Zahl der Aufträge an sich binden konnten, d.h. rund 83 % des Volumens aller erfassten Aufträge. Bei der Auswertung der Auftragsvergaben wurde ferner festgestellt, dass in dem besonders wertgewichtigen Vergabesegment des europaweiten Offenen Verfahrens Berliner Unternehmen 97 % des Vergabevolumens akquirieren konnten. Hier liegt die Vermutung nahe, dass die Angebote von vornherein unter Einbeziehung von Nachunternehmen kalkuliert worden sind, die die Bauleistungen in erheblichem Umfang mit niedrig entlohnten Arbeitskräften erstellen.

Der unvermindert anhaltende Wettbewerbsdruck führte häufig zu einem Preiskampf mit Angebotspreisen, deren Angemessenheit oftmals in Frage zu stellen war. In Zweifelsfällen von den Bietern eingeholte Angaben zur Kalkulation wiesen zunehmend auf die Unterschreitung der in Berlin geltenden Entgelttarife hin, auf zu gering bemessene gesetzliche und tarifliche Lohnnebenkosten, auf zu gering bemessene Zeitansätze sowie auf Preisbildungen ohne kalkulatorische Berücksichtigung von einzelnen Teilleistungen, Wagnis und Gewinn oder allgemeinen Geschäftskosten.


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6. Ausschöpfung der Haushaltsmittel

(einschließlich Unterhaltungsmaßnahmen sowie Auftragsverwaltung des Bundesministers für Verkehr)

Für Hoch- und Tiefbaumaßnahmen standen für Investitionen und Maßnahmen der baulichen Unterhaltung zum Ende des ersten Quartals 2002 insgesamt 605,1 Mio. EUR zur Verfügung, dies sind 20,1 Mio. EUR beziehungsweise 3,2 % weniger als zum Vergleichszeitpunkt des Vorjahres.

Während für die Maßnahmen des Hochbaus die verfügbaren Mittel in Höhe von 390,3 Mio. EUR um 28,2 Mio. EUR (- 6,7 %) unter dem vergleichbaren Wert des Vorjahres (2001: 418,5 Mio. EUR) lagen, konnte für Tiefbauten über 214,8 Mio. EUR (2001: 206,7 Mio. EUR) entsprechend 8,1 Mio. EUR (3,9 %) mehr Mittel verfügt werden.

Die Maßnahmen des Hochbaus waren mit 116,8 Mio. EUR zu 31,1 % durch Aufträge zu Lasten des laufenden Haushaltsjahres gebunden; zum Vergleichszeitpunkt des Vorjahres (60,4 %) hatte sich die Auftragsbindung nahezu halbiert. Abgerechnet wurden für diesen Zeitraum 41,2 Mio. EUR (10,6 % der verfügbaren Mitte), das sind 15,6 Mio. EUR oder 27,5 % weniger als im ersten Vierteljahr 2001.

Für Tiefbaumaßnahmen fiel die Auftragsbindung - gemessen an den zur Verfügung stehenden Mitteln - per 31. März 2002 mit 44,6 % zwar deutlich niedriger aus als zum Quartalsende des Vorjahres (54,3 %), mit 66,6 Mio. EUR waren jedoch nominal 0,9 Mio. EUR (+1,4 %) mehr Aufträge erteilt worden als im Vorjahr. Mit 16,2 Mio. EUR, respektive 7,5 % der verfügbaren Mittel, wurden geringfügig weniger Zahlungen geleistet als im Vorjahr (2001: 19,5 Mio. EUR oder 9,4 %). Es wurden 3,3 Mio. EUR weniger gezahlt als im entsprechenden Vorjahresquartal, das entspricht einem Minus von 16,9 %.

Über die Höhe der Verpflichtungsermächtigungen zu Lasten künftiger Haushaltsjahre kann derzeit aus datentechnischen Gründen noch keine Angabe gemacht werden.


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7. Gesamtbeurteilung der Baukonjunktur


Für die Berliner Bauwirtschaft war der Start in das Baujahr 2002 von äußerst schlechten konjunkturellen Rahmenbedingungen begleitet. Dazu trugen insbesondere der Preisverfall bei den Bauleistungen, die hohe Beteiligung auswärtiger Bieter am Baugeschehen sowie im Segment des öffentlichen Bauens Finanzierungsschwierigkeiten der Haushalte aufgrund der vorläufigen Haushaltswirtschaft bei.

Trotz gestiegener Auftragseingänge sind die Personaldispositionen der Berliner bauausführenden Wirtschaft im Berichtszeitraum zurückhaltend ausgefallen und die Freisetzungen in den Wintermonaten bis Quartalsende noch nicht ausgeglichen. Weiterhin sind Bestrebungen spürbar, kostengünstigere Kapazitäten aus dem Umland und aus den neuen Bundesländern einzusetzen. Die Bauleistung fiel somit weitaus schwächer aus als sonst zu dieser Jahreszeit. Auf dem Berliner Arbeitsmarkt konnten sich trotz gestiegener Baunachfrage keine Entspannungstendenzen durchsetzen.

Unabhängig von kurzfristigen Auftragsbelebungen darf für die Beurteilung der Geschäftsaussichten der Berliner Bauwirtschaft nicht die voraussichtlich zu erwartende weitere Zurückführung des Bauvolumens an den Bedarf der Stadt außer Betracht bleiben.


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8. Empfehlungen


Wiederholt musste festgestellt werden, dass von Dumpinganbietern zwar einerseits die Tariftreuerklärung unterschrieben wird, andererseits jedoch unrealistisch geringe Zeitansätze genannt werden, um den vom Bieter angestrebten Kampfpreis zu begründen. Baustellenkontrollen der Eingreifgruppe Bau belegen jedoch, dass die Baustellenlöhne im Falle von Dumpingangeboten die in Berlin geltenden Entgelttarife zumeist erheblich unterschreiten. Den Baudienststellen des Landes Berlin wird daher empfohlen, im Zuge der Wertung vom Kreis der Bieter der engeren Wahl grundsätzlich die Angaben zur Preisermittlung abzufordern. Ausschließlich mit Hilfe der Bieterangaben, insbesondere zur Summe der kalkulierten Stunden ist es möglich, die Zeitansätze der Teilleistungen festzustellen. Im Falle von Teilleistungszeitansätzen, die die Erfahrungswerte erheblich unterschreiten, wird ferner empfohlen, den Dumpinganbieter zur Darstellung der für die Ausführung geplanten Technologie aufzufordern bzw. die Auskömmlichkeit der angegebenen Zeitansatz zu begründen. Ein gemäß § 25 Nr. 3 VOB/A möglicher Ausschluss von der Wertung, wegen unangemessen niedrigem Preis, wird erst nach Einholung der Bieterangaben empfohlen.