Städtebau  
 

Offener, zweiphasiger städtebaulicher und landschaftsplanerischer Wettbewerb
"Schumacher Quartier Berlin-Reinickendorf, Tegel"

Ausschreibung


Anlass und Ziel


Der Flughafen Berlin-Tegel "Otto Lilienthal" wird mit der Inbetriebnahme des zukünftigen Single-Airports Berlin Brandenburg "Willy Brandt" am Standort Schönefeld, der den gesamten Flugverkehr von und nach Berlin übernehmen wird, geschlossen. Spätestens ein halbes Jahr nach der Inbetriebnahme der zwei Start- und Landebahnen in Schönefeld werden die Flächen und Anlagen in Tegel aus der Planfeststellung als Flughafen entlassen. Die Einstellung des Flughafenbetriebs wird zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensverhältnisse in der Umgebung und somit zu einer Attraktivitätssteigerung der angrenzenden Quartiere führen. Darüber hinaus entsteht die Chance, das fast 500 ha große Flughafenareal neuen Nutzungen zuzuführen und es zu einem in die Stadt integrierten Zukunftsstandort zu entwickeln.

Der bisherige Planungsprozess fokussierte überwiegend auf die Entwicklung des südwestlichen Flughafenbereichs als Zentrum für umweltverträgliche Spitzentechnologien (Urban Tech Republic), das sich in allen Bereichen der urbanen Technologien wie Energie, Mobilität, Recycling, Wasser, Werkstoffen sowie Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) im internationalen Vergleich der Smart-City-Innovationsorte hervorheben soll, sowie auf die landschaftsräumliche Einbindung des Standortes. Mit der Schließung des Flughafens ergeben sich aber auch weiter reichende Potenziale für eine geordnete städtebauliche Entwicklung des östlichen Flughafenbereichs und seine Einbindung in die Strukturen des Berliner Stadtgebietes und seiner Landschaftsräume.

In den letzten Jahren haben sich mit dem wieder einsetzenden Wachstum der Bevölkerung, dem demografischen Wandel sowie den sozialräumlichen Veränderungen neue Herausforderungen für die Stadtentwicklung Berlins gestellt. Dabei liegt ein großer Aufgabenschwerpunkt in der Bereitstellung von ausreichendem Wohnraum für eine wachsende Bevölkerung, vor allem auch für Haushalte mit geringen und mittleren Einkommen. Das anhaltende Bevölkerungswachstum Berlins und die Stärkung der wachsenden Stadt als Metropole erfordern die Aktivierung innerstädtischer Wohnbauflächen und hochwertiger Mischnutzungen. Unter dieser Prämisse wird für den östlichen Teilbereich des Flughafenareals und seine angrenzenden Bereiche – das Schumacher Quartier – eine stark wohnorientierte Folgenutzung angestrebt.

Der Standort Schumacher Quartier sollte als nachhaltiges, sozial gemischtes und zukunftsweisendes Areal einen wichtigen Beitrag zur Wohnungsbaustrategie des Landes Berlin leisten. Hier sollte ein in das Stadtgefüge integrierter, urbaner und zugleich an Grün- und Landschaftsräume angebundener Wohnstandort für mehr als 10.000 Einwohner in funktional gemischten Wohnquartieren entstehen. Zur Sicherung eines innovativen Städtebaus wurde u. a. die Zertifizierung nach Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e. V. (DGNB) angestrebt.

Darüber hinaus befindet sich der Standort in unmittelbarer Nachbarschaft zur Urban Tech Republic, dem Smart-City-Leuchtturmprojekt Berlins, das Raum für 800 Unternehmen, Institute und Forschungseinrichtungen sowie 5.000 Studierende bieten wird. Die Planung für das Campus-Quartier der Urban Tech Republic wurde bereits in einer pilothaften Zertifizierung durch die DGNB mit einem Platinum-Zertifikat versehen, der höchsten erreichbaren Stufe. Auch das Wohnquartier sollte in beispielhafter Weise Ideen nachhaltiger Stadtentwicklung aufgreifen und ausdrücklich Synergien mit der Urban Tech Republic ermöglichen. Als zukünftiges Smart-City-Quartier – und möglicherweise auch Energie-Modell-Quartier – kam dabei einer klugen Planung ein besonderer Stellenwert zu. So sollten z. B. Ausrichtung und Größe der Baufelder und Baukörper so angelegt sein, dass natürliche Luftströmung und Sonneneinstrahlung ein optimales natürliches Klima mit möglichst geringer technischer Unterstützung schaffen. Die aktive Energiegewinnung (z. B. PV) war integral mitzudenken. Die Verkehrsplanung sollte fahrrad- und fußgängerfreundlich sein. Eine hohe Gründichte im Freiraum, Dachbegrünungen und begrünte Fassaden sollten ein angenehmes Mikroklima schaffen. Dem Umgang mit Wasser und Rohstoffen kam eine besondere Bedeutung zu und es wurde der Einsatz ausschließlich nicht-toxischer Baustoffe angestrebt. So sollte das Schuhmacher Quartier ein zukunftweisendes, nachhaltiges Wohnquartier mit internationaler Strahlkraft werden.

Luftbild
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Lageplan
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