Städtebau  
 

Nichtoffener Wettbewerb für Architekten in Bewerbergemeinschaft mit Landschaftsarchitekten
"Neubau Clay-Schule, Berlin Neukölln"

Ergebnis: 1. Preis


1. Preis:
49.500,- Euro
  Staab Architekten GmbH, Berlin

Verfasser: Volker Staab, Dipl.-Ing.
Mitarbeit: Petra Wäldle, Sarah Ruoss, Sophia Martinetz, Roberto Zitelli, Karl Naraghi

Landschaftsarchitektur: Levin Monsigny Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin

Verfasser: Nicolai Levin, Dipl.-Arch.
Mitarbeit: Kristina Rusnakova

Technische Ausrüstung: Winkels Behrens Pospich, Ingenieure für Haustechnik GmbH, Münster

Verfasser: Andreas Winkels, Dipl.-Ing.



Beurteilung durch das Preisgericht:

Mit einem homogenen kompakten Baukörper schafft der Entwurf eine städtebaulich äußerst markante und identitätsstiftende Setzung auf dem Grundstück, während er ins Innere hinein eine differenzierte, abwechslungsreiche Wirkung entfaltet. Hervorzuheben ist die konsequente Unterbringung der Funktionen in nur zwei Geschossen: im Erdgeschoss die Fachbereiche und zentralen Versammlungsräume, im ersten Obergeschoss die Unterrichtsräume der vier Mittelstufenjahrgänge und der Oberstufe. Die zentrale Setzung des Baukörpers gliedert die Pausenhofsituationen für die Jahrgänge sehr ausgewogen, sowohl im Süden als auch im Norden zum Sportgelände hin. Durch einen wohltuend dimensionierten Vorplatz kommt der Baukörper vom Neudecker Weg aus betrachtet bestmöglich zur Geltung.

Überzeugend in Lage und Dimensionierung ist der Eingangsplatz über den das Gebäude vom Neudecker Weg aus für die Schüler erschlossen. Die Anlieferung von Mensa, Cafeteria und dem Fachbereich Wirtschaft-Arbeit-Technik (WAT) und Kunst erfolgt über den östlichen Zugang.

Durch die Anlage einer Tribüne, von der aus man das sportliche Geschehen auf dem Feld betrachten kann, ist der Höhensprung im Gelände optimal gelöst. Die Bündelung des geforderten Sportangebots im nördlichen Bereich im direkten Umfeld der Sporthalle ist sehr gut gelöst. Die Einteilung der Sportflächen entsprechen nicht den funktionalen Anforderungen und müssen überarbeitet und angepasst werden. Insbesondere fällt eine Überlappung der Kleinspielfelder und der Laufbahnen ins Auge, sodass eine gleichzeitige Nutzung durch mehrere Sportarten nicht möglich erscheint. Sehr lobenswert sind die drei klar den Jahrgängen zugeordneten Pausenhöfe, die als Besonderheit Aneignungs- und Partizipationsflächen für die Schüler anbieten. Kontrovers wird diskutiert, dass der Versiegelungsgrad sehr hoch erscheint. Der Anteil der Grünflächen sollte vergrößert werden.

Sehr positiv wird die großzügige Schulstraße bewertet, in die zentrale Bereiche wie zentraler Außerunterrichtlicher Bereich (AUB) und Mensa (optional auch abtrennbar) sowie die Zugänge zu den Fachbereichen sehr gut auffindbar und integriert sind. So konsequent sich das Gebäude nach außen als Baukörper darstellt, so konsequent zelebriert er nach innen eine aufgelöste Hofstruktur, durch die atmosphärisch außergewöhnliche attraktive Aufenthaltsbereiche an der Schnittstelle verschiedener Bereiche entstehen. Mit einer differenzierten und spannungsvollen Gliederung im ersten Obergeschoss ist es dem Entwurf bestens gelungen, den Bedürfnissen des Jahrgangsprinzips als zentralem pädagogischen Konzept der Clay-Schule gerecht zu werden.

Der eigentliche Eingang in das Schulgebäude bleibt in seiner Bescheidenheit hinter einem Wunsch nach mehr Öffnung zurück. Die Lage von Mehrzweckraum, Mensa und Cafeteria im Eingangsbereich der Schulstraße ist sehr gelungen. Die von der Schule gewünschte Einbindung der Aula für Veranstaltungen in den Musikbereich überzeugt. Der Bereich des Gedenkortes wird zwar angedeutet, sollte aber klarer definiert werden. Die Clusterstruktur in diesem Entwurf erscheint vorbildlich gelöst, da die sozialen Flächen im Jahrgang sehr überzeugend verteilt sind. So sind Lernlandschaft, Lernwelt und Differenzierungsräume zentral für alle Gruppen gut erreichbar verortet. Auch Lehrerzimmer und Freizeitraum sind zentral sehr gut im Jahrgang platziert und stellen mit der Möglichkeit eines sehr guten Überblicks des gesamten Bereichs eine ideale Lösung dar.

Die vorgesehenen lichten Raumhöhen von 3m werden eingehalten, alle Aufenthaltsräume sind tagesbelichtet.

Die zweigeschossige Sporthalle mit separatem Zugang im Norden erfüllt die Funktionen. Die Sportlertoiletten auf Hallenebene sowie der Außengeräteraum sind nicht ersichtlich und sind noch unterzubringen. Eine Besonderheit ist eine oberhalb der Decke liegende Tragstruktur im zweiten Obergeschoss, die das Gebäudevolumen optisch verkleinert.

Über die doppelten Treppenanlagen ist die Entfluchtung gewährleistet. Der Rauchentwicklung in den oberen Flurbereichen wird mit Brandschutztüren entgegen gewirkt. Die Klassenräume können im Brandfall über Verbindungstüren als Fluchtweg in den rauchfreien Bereich entfluchtet werden.

Mit einer Sichtziegelfassade überzeugt die Konstruktion in Ihrer Robustheit. Die offen liegende Ziegelstruktur belebt die Fassade. Holz-Pfosten-Riegel-Konstruktion und Holz-Thermofassade sind als standardisierte Bauweise eine gute standardisierte Lösung.

Die Errichtungskosten liegen im Vergleich zu den anderen Arbeiten im mittleren Bereich, da unter anderem eine sehr große Gründungsfläche sowie eine große Dachfläche entwurfsbedingt vorzusehen ist. Die vermeintlichen Unterhaltskosten liegen mit 98% leicht unter dem Durchschnitt aller Entwürfe, da der Entwurf in seiner Kompaktheit die zu beheizenden Räume klein hält.

Die Energie- und Nachhaltigkeitskennwerte liegen zumeist im Wettbewerbsmittel - wie etwa Fensterflächenanteile, Kompaktheit, spezifischer Energiebedarf und der Ressourcenbedarf für Baustoffe. Während die Tageslichtversorgung der Unterrichtsräume vorteilhaft erscheint, werden nicht alle Erschließungszonen im EG optimal belichtet. Das Sonnenschutzkonzept ist effizient.

Insgesamt stellt die Arbeit einen sehr wertvollen Beitrag zu der Aufgabenstellung dar, der die Erwartungen in vielen Bereichen erfüllt oder sogar übertrifft. Deswegen wird die Arbeit im vorderen Bereich der Preis-Gruppe gesehen, auch wenn die klare städtebauliche und bauliche Konstitution eine Anpassung der Sportflächen erfordert. Insbesondere die Wegeverbindung zwischen Schulgebäude und Halle ist nicht angemessen gelöst.

Modell © Fotograf Herr H.-J. Wuthenow
Modell © Fotograf Herr H.-J. Wuthenow

Perspektive
Perspektive

Lageplan
Lageplan

Grundriss
Grundriss