Städtebau  
 

Nichtoffener Realisierungswettbewerb für Architekten als Generalplaner oder für Bewerber-/ Bietergemeinschaften aus Architekten mit Fachplanern für Tragwerksplanung, für Technische Gebäudeausrüstung und mit Landschaftsarchitekten
"Neues Wohnen an der Briesestraße, Berlin Neukölln"

Ergebnis: 1. Preis


1. Preis:
28.000,- Euro
  Architektur (Generalplaner): EM2N Mathias Müller Daniel Niggli Architekten AG ETH SIA BSA, Zürich

Verfasser: Mathias Müller, Daniel Niggli, Fabian Hörmann
Mitarbeit: Babtiste Blot, Mathias Kampmann, Jonas Rindlisbacher, Antonio Mesquita, Ines Nunes, Caroline Vogel, Leonard Wertgen



Beurteilung durch das Preisgericht:

Eine Herausforderung ist ein spannender Start in ein neues Projekt. Der Entwurf betont die Herausbildung und Weiterentwicklung von Gemeinschaft und sozialer Kommunikation und setzt dieses Thema konsequent in den Mittelpunkt.

Das Konzept schließt mit einer Anordnung aus 4 Baukörpern an den Bestand an. Ein kleiner Stadtplatz öffnet das Quartier zur Mündung des Grünzuges der Lessinghöhe an der Kienitzer Strasse. Die entstehende hybride Struktur einer aus Teilen zusammengesetzten Figur vermittelt zwischen der gründerzeitlichen Blockstruktur und den mäandrierenden Gebäuden der Spätmoderne aus den 70iger Jahren.

Der entstehende gemeinschaftlich genutzte Hof ist der Mittelpunkt der Wohnanlage. Die Erschließung aller Gebäudeteile und Wohnungen erfolgt über drei Treppenhäuser, die über einen zum Innenhof vorgelagerten Balkon erschlossen werden. Die Balkonfläche ist vor der Fassade in Teilen ausgeschnitten, so dass Tageslicht einfällt und die Balkonebenen zusätzlich optisch miteinander verbunden werden. Der Typus des Laubenganghauses wird über die Doppelnutzung als Balkon und Erschließungsfläche zu einem kommunikativen, integrativen Element transformiert. Dadurch entsteht Potential für soziale Kommunikation und räumliche Qualität.

Die Balkone ziehen sich aus dem Hof kommend nach außen zum Stadtplatz, so dass das Motiv sowohl im Stadtraum als auch im Innenhof erlebbar wird. Das Haus am Stadtplatz für Wohngruppen mit einem Café im Erdgeschoss zeigt programmatisch das Gesamtkonzept des Hauses. Die Fassade aus hinterlüfteten Aluminiumelementen ist in ihrer Struktur und Typologie bewusst experimentell angelegt und spielt mit einer Ästhetik des Unfertigen, Rohen. Analogien aus der Industriearchitektur werden spürbar. Das Konzept bietet Potential für eine Weiterentwicklung und Aneignung dieser Formen und Materialien für neue Wohnarchitektur.

Die Wohnungsgrundrisse sind klar und flexibel angelegt und im Wesentlichen beidseitig belichtet. Die Wohnräume sind zum Hof und den vorgelagerten Balkonen orientiert. Die Schlafräume sowie Bäder sind zum Stadtraum orientiert. Der Ateliercharakter der Wohnungen sowie die Geschosshöhen im Erdgeschoss sind noch nicht überzeugend ausformuliert.

Das 6. Geschoss der östlichen Hofbebauung zur benachbarten St. Clara Gemeinde wird kritisch gesehen.

Der Entwurf lässt eine wirtschaftliche Umsetzung erwarten.

Modell © Fotograf Herr H.-J. Wuthenow
Modell © Fotograf Herr H.-J. Wuthenow

Lageplan
Lageplan

Perspektive Kienitzer Straße
Perspektive Kienitzer Straße

Perspektive Innenhof
Perspektive Innenhof

Grundriss EG
Grundriss EG

Grundriss OG
Grundriss OG