Städtebau  
 

Konkurrierendes Gutachterverfahren
"Freiräumliche Aufwertung Postblock, Berlin Mitte"

Ergebnis: 1. Rang


1. Rang:
8.000,- Euro
  KARO* Architekten, Leipzig



Beurteilung durch das Obergutachtergremium:

Die Verfasser schlagen durch ihren Entwurf, der eine konsequente Umsetzung sehr plakativer und mutiger Gestaltungsregeln fokussiert, einen intelligenten Umgang mit der fehlenden Prägnanz in diesem heterogenen Stadtraum vor. Unter Bezugnahme auf die Historie des Blockes bilden die Farben der Post (schwarz und gelb) das Leitmotiv der konzeptionellen Klammer zwischen dem Museum für Kommunikation und der Trabi-Safari in der Zimmerstraße. Hierfür entwirft der Verfasser ein stringentes Band flächiger Abgrenzungen, wie Fußwege, Zäune und Mauern, die als "Schwarzer Filter" durch entsprechenden Farb- und Materialeinsatz (beschichteter Streckmetallzaun, Basalt-Split, Asphalt) die vorhandenen Raumfolgen harmonisieren soll.

An den richtigen Orten entstehen durch hohe, stilisierte Zäune abgegrenzte und unterschiedlich thematisierte Platzflächen ("postplatz", "e-werkplatz", "platz der alltagsmonumente"), die eine gelungene städtebauliche Lesbarkeit und gewünschte stadträumliche Verknüpfung initiieren. Positiv ist anzumerken, dass die Auswahl der gewählten Materialien (Asphalt, Splitt, Metallzaun) den urbanen Charakter des jeweiligen Ortes unterstützt und das Gesamte zusammenfasst. Die konsequente Bespielung der Plätze mit gelben Alltagsmonumenten wurde als künstlerische Inszenierung und beinah humorvolle Überhöhung begrüßt und entwickelt eine Art eigene Sprache. Darüber hinaus wird nach Rücksprache mit den Pächtern der Flächen und Einrichtungen (Trabi-Safari, HighFlyer) die Realisierung als machbar angesehen.

Im Detail wurden verschieden Punkte kontrovers diskutiert. Dazu gehören die Beständigkeit der gelben Farbgebung vor dem Hintergrund einer homogenen Farbsicherung über einen längeren Zeitraum (Folgeanstriche = Folgekosten) sowie die grundsätzliche Wirkung der schwarzen Flächen (Zaun und Beläge). Insbesondere im Bereich der Wilhelmstraße wären über die bestehenden Baumpflanzungen hinaus weitere Gehölze und Sträucher (keine Bodenbepflanzung, sondern Grünelemente mit räumlichem Wirkungsspektrum) zu integrieren. Die Nutzung von Basaltsteinen und Split wird vor dem Hintergrund nicht ermittelter Folgekosten für die Reinigung (und Wiederauffüllung) der Flächen insgesamt als problematisch angesehen. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie die Einbindung von Partnern (Museum für Kommunikation, eWerk) und damit eine kostenneutrale Bestückung der Platz- und Zaunflächen sichergestellt werden kann. Insgesamt stellt der Entwurf einen überzeugenden Beitrag zur Aufwertung der Blockränder dar, der mit der kraftvollen Anwendung weniger, jedoch konsequent einheitlicher gestalterischer Mittel die vorhandene Heterogenität des Ortes umrahmt und damit der Aufgabenstellung in spielerisch-künstlerischer Weise gerecht wird. Er bietet eine temporäre Bereicherung des Ortes.

Illustration der Leitidee
Illustration der Leitidee

Lageplan 1:500
Lageplan 1:500

Räumliche Darstellung Postplatz
Räumliche Darstellung Postplatz

Räumliche Darstellung Buchbinderplatz
Räumliche Darstellung Buchbinderplatz

Räumliche Darstellung Platz der Alltagsmonumente
Räumliche Darstellung Platz der Alltagsmonumente