Städtebau  
 

Nichtoffener Wettbewerb
Neubau Zentral- und Landesbibliothek, Berlin Tempelhof-Schöneberg

Ergebnis: 1. Preis


1. Preis:
90.000,- Euro
  KohlmayerOberst Architekten, Stuttgart

Landschaftsarchitekten: Glück Landschaftsarchitektur, Stuttgart

TGA: Krawinkel Ingenieure, Krefeld

Tragwerksplaner: Ingenieurteam Bergmeister, Vahrn (I)


Beurteilung durch das Preisgericht:

Die Bibliothek besetzt als lang gestreckter Körper auf ebenso selbstverständliche wie selbstbewusste Weise das Bauareal nördlich der Landebahn. Der Baukörper wird charakterisiert durch eine extrem weitgespannte Betonkonstruktion, in die die Bibliothek in funktionalen Ebenen eingesetzt wird.

Die Struktur legt sich über das Grundstück und generiert in seinem Inneren eine Vielzahl von städtischen Orten und Situationen, sie definiert die Bibliothek als Rahmen für öffentliche Aktivitäten und als allgemeinen sozialen Treffpunkt der Stadtbevölkerung, der über die funktionale Bedeutung einer Stadtbibliothek hinausgehen.

Es ist eine Megastruktur, die im Kontext des Tempelhofer Feldes glaubhaft erscheint.

Der Logik des Konzeptes folgend sind alle funktionalen Ebenen der Bibliothek horizontal angeordnet. Dies führt zu langen Wegen, die vom Nutzer aus betrieblichen Gründen kritisiert werden.
Positiv wird die zu allen Seiten ebenerdige und schwellenlose Eingangsebene bewertet, wenn auch die angebotene Fläche unterhalb des Gebäudes aus anderen Klimazonen entlehnt zu sein scheint.

Die Möblierung der beiden Bibliotheksgeschosse kann vollkommen flexibel den Bedürfnissen der Bibliothek entsprechend erfolgen.
Im 1. OG muss die Möblierung noch dem Raster der Kreuzstützen und der Logik der Vierendeelträger folgen, während das 2. Obergeschoß komplett stützenfrei ist und eine frei bespielbare Fläche darstellt. Diese Freiheit wird von Teilen des Preisgerichtes positiv bewertet. Die fehlende Möblierung des in seinen Dimensionen gewaltigen Raumes weckt jedoch beim Nutzer Zweifel an einer funktionalen Nutzung als Bibliothek.
Ein überzeugender Vorschlag seitens der Verfasser wäre hier wünschenswert gewesen.
Die radikale introvertierte Orientierung der Nutzungen der Obergeschosse wird im Preisgericht ebenfalls kritisch diskutiert.

Positiv wird die äußere Erscheinung bewertet, die mit den ruppigen Sicht betonflächen dem Ort angemessen erscheint und gleichzeitig architektonisch fein detailliert ist.

Die Gestaltung der Außenanlagen muss als rudimentär bezeichnet werden.

Die Betriebskosten liegen im positiven Bereich.
Die Konstruktion des Gebäudes wird als machbar angesehen, wenn auch mit hohem Aufwand.
Der Kostenrahmen ist gesprengt, obwohl weniger Flächen angeboten werden.

Dennoch stellt das Projekt für die Frage, wie eine Bibliothek oder ein öffentliches Gebäude allgemein an diesem Ort zu dieser Zeit gemacht sein sollte, einen wertvollen Beitrag dar.

Er wird vom Preisgericht als ein über die eigentliche Aufgabe hinausgehendes architektonisches Manifest gewürdigt.

Modellfoto Süd-West © H. - J. Wuthenow
Modellfoto Süd-West
© H. - J. Wuthenow

Perspektive
Perspektive

Lageplan
Lageplan

Grundriss
Grundriss

Längsschnitt
Längsschnitt

Schnitt
Schnitt

Innenansicht
Innenansicht