Städtebau  
 

Offener freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb
"Freiraumgestaltung Umfeld Humboldt-Forum"

Ergebnis: 4. Preis


4. Preis:
12.000,- Euro
  Levin Monsigny Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin

Verfasser: Axel Hermening, Martina Levin, Nicolai Levin, Luc Monsigny
Mitarbeiter: Rob Grotewal, Michael Klittich, Flavia Moroni, Tim Staweitzke, Christine Wetzel


Beurteilung durch das Preisgericht:

Die mit „Bühne der Welt“ überschriebene Arbeit nimmt die neue Bestimmung des Schlossbauwerks – im größeren Kontext der Museumsinsel – zum Ausgangspunkt der Gestaltung des Umfeldes. Sie wählt dafür formal knappe und konventionelle, d. h. bewährte Mittel, die die monumentalen Räume diskret unterstützen und funktionale Anforderungen geschickt und gewissermaßen beiläufig erfüllen. Die disziplinierte Arbeit ordnet die Räume ihren überlieferten und neuen Bedeutungen gemäß und schafft ein einladendes und nobles, aber nicht steif wirkendes Ambiente. Neue Akzente werden in einzelnen Teilbereichen auf das übergeordnete Konzept bezogen.

Um die inhaltliche und räumliche Kontinuität zur Museumsinsel zu betonen, werden die Materialien des Lustgartens aufgegriffen und einheitlich bis zum Marstall durchgeführt. Zentraler Entwurfsgedanke ist ein steinerner Rahmen um den Schlossbau, der dessen Bedeutungswandel übersetzen soll. Dieser bodengleiche Fries aus Natursteinplatten reagiert in seiner unterschiedlichen Breite auf die Spuren der Geschichte, zugleich schafft er eine unauffällige Distanz, eine Art von Anführungszeichen, in denen das Humboldt-Forum als Zitat des ehemaligen Schlossbaus lesbar wird. An den Engstellen im Osten werden die Grenzen dieser Idee spürbar.

Die ehemals gärtnerisch gestalteten Schlossterrassen interpretieren die Verfasser neu als vielfältig begeh- und bespielbare „Humboldt-Terrassen“. Die damit beabsichtigte „Geste der Nähe und des Willkommens“ entspricht der neuen Bauaufgabe mit ihrer offenen und sehr viel intensiveren Nutzung. Die Bespielbarkeit dieses Raums stellt einerseits einen interessanten Vorschlag dar; sie überfordert allerdings auch die Betreiber und findet keine ungeteilte Zustimmung. Auch der damit bedingte Verzicht auf eine dauerhafte grünräumliche Beziehung zum Lustgarten wird skeptisch gesehen. Die funktionalen Erfordernisse in der Vorzone des Bauwerks sind nicht vollständig eingehalten, die Anschlusssituation wird nicht im Detail erklärt. Die Möglichkeit der Aufstellung der figürlichen Relikte wird nicht thematisiert.

Die anderen drei Raumbereiche um das Schloss werden ebenfalls individuell neu interpretiert: Der Schloßplatz (West) wird durch Fortführung der Lindenreihen vom Lustgarten zum Freiheits- und Einheitsdenkmal gegliedert. Der Blick von „Unter den Linden“ auf das Schloss wird sinnvoll gerahmt, aber nicht zu sehr eingeschränkt. Gleichzeitig sind hier die funktionalen Erfordernisse (U-Bahn, Taxen etc.) dezent eingebunden.

Der südliche Schlossplatz (Schloßplatz (Süd)) wird seiner historischen Bedeutung folgend als steinerner Platz interpretiert, jedoch ohne direkten Rückgriff auf die kaiserzeitliche Anlage. Die wenigen Gestaltungsmittel – Banklinien entlang der Fassade und eine Fontäne in Erinnerung an den ehemaligen Neptunbrunnen – sind hier ausreichend und richtig eingesetzt. Allerdings eignet sich der heute mögliche fassadennahe Standort nicht für eine größere Brunnenanlage.

Einen ganz anderen Charakter geben die Verfasser dem neu zu gestaltenden Spreeufer. Mit einer lockeren Platanenpflanzung wird der Raumabschluss zur Liebknechtbrücke definiert, gleichzeitig wird eine atmosphärische Verbindung zum Marx-Engels-Forum geschaffen. Die „klassisch“ angelegte, aber in der Länge zu knapp geratene Rampenanlage und die Art und Platzierung der Baumpflanzungen schaffen angenehme Aufenthaltsbereiche Die Baumgruppen sind allerdings hier funktional problematisch und finden auch in ihrem Bezug zu der neuen Schlossfassade keine ungeteilte Zustimmung. Nicht überzeugend und unnötig ist die axiale Schlosstreppe zum Wasser.

Die Stellplätze für mobilitätseingeschränkte Besucher sind mit Ihrer Platzierung am ESMT-Gebäude nicht richtig zugeordnet. Hingegen sind die Fahrradstellplätze funktional und gestalterisch sehr geschickt in den Eckbereichen eingeordnet. Auch die reichlich vorgesehenen Sitzgelegenheiten werden begrüßt.

Aufgrund des hohen Anteils an hochwertigen, befestigten Flächen wird die vorgegebene Kostengrenze überschritten.

Perspektive - von Schlossbrücke zum Bereich Schlossbereich
Perspektive - von Schlossbrücke zum Bereich Schlossbereich

Perspektive - von Liebknechtbrücke zum Spreeufer/Belvedere
Perspektive - von Liebknechtbrücke zum Spreeufer/Belvedere

Lageplan M. 1:250
Lageplan M. 1:250

Schnitt A-A im M. 1:100
Schnitt A-A im M. 1:100

Schnitt B-B im M. 1:100
Schnitt B-B im M. 1:100

Schnitt C-C im M. 1:100
Schnitt C-C im M. 1:100

Schnitt D-D im M. 1:100
Schnitt D-D im M. 1:100