Städtebau  
 

Offener freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb
"Freiraumgestaltung Umfeld Humboldt-Forum"

Ergebnis: 2. Preis


2. Preis:
25.000,- Euro
  WES GbR LandschaftsArchitektur mit Hans-Hermann Krafft, Berlin

Verfasser: Henrike Wehberg-Krafft, Hans-Hermann Krafft
Mitarbeiter: Henriette Henning, Maria Gehrmann, Irina de Cuveland, Sarah Abelmann


Beurteilung durch das Preisgericht:

Ziel des Entwurfes ist die "Herausarbeitung eines einheitlichen Ensembles der Spreeinsel". Durch eine klare räumliche Ordnung und eine reduzierte, sich an der Umgebung orientierenden Materialverwendung ist dies auch gelungen. Die Arbeit überzeugt zunächst durch ihren souveränen, selbstverständlich erscheinenden Gestus. Die vielfältigen Nutzungsanforderungen und funktionalen Restriktionen sind weitestgehend integriert und sinnfällig in die Gestaltung eingebunden. Die vier Teilräume des Humboldt-Forums erfahren eine differenzierte Durcharbeitung. Es entstehen eigenständige Orte, die in der Lage sind sich mit dem jeweiligen Gegenüber zu verknüpfen. Insofern wirkt der Entwurf positiv über das eigentliche Wettbewerbsgebiet hinaus, was besonders in Richtung Lustgarten deutlich wird.

Nachvollziehbar - da typisch für den Stadtraum um die Museumsinsel - ist der Entwurfsansatz, die Freiräume des Humboldt-Forums zunächst "auf sich bezogen" zu entwickeln. Auf ein Herüberziehen von bloßen formalen Bezügen aus der Umgebung, insbesondere aus dem Lustgarten, wird so bewusst verzichtet. Durch eine sehr großzügige Interpretation der historischen Schlossterrassen gelingt dennoch eine überraschend prägnante und im Stadtraum lesbare Verknüpfung des Gebäudes mit "seinem Garten". Hierzu tragen auch eine niveaugleiche Straßenausbildung und die Neupflasterung in Naturstein bei. Ob es dazu tatsächlich auch der vorgeschlagenen Verlängerung der südlichen Lustgarten-Beete um ca. 8 m bedarf und ob dies bezogen auf den Lustgarten selbst überhaupt wünschenswert und durchführbar ist, wäre zu prüfen. Der formale Umgang mit den neuen Schlossterrassen, die mehrfache Teilung, die rein "praktisch" begründet erscheint und die Proportion zwischen Gebäude und Vorfeld bzw. Vorgarten und Erschließungsflächen wird in der Jury kontrovers diskutiert.

Im Gegensatz zur Nordseite des Humboldt-Forums wird der Schloßplatz (Süd) als überwiegend steinerner Stadtplatz gesehen. Auch dieser Grundhaltung kann sich das Preisgericht anschließen. Die Entwurfsverfasser agieren hier allerdings historisierend, mit einer Rückführung des originalen Neptunbrunnens, straßenbedingt, einschließlich der flankierenden Schmuckbeete jedoch deutlich nach Norden verschoben. Der Brunnenstandort kommt dem Gebäudeportal sowohl gestalterisch-räumlich als auch funktional deutlich zu nah. Die Westseite des Humboldt-Forums (Schloßplatz (West)), die zukünftig durch das neu entstehende Freiheits- und Einheitsdenkmal dominiert sein wird, bleibt als Konsequenz in seiner Ausprägung zurückhaltend. Die verkehrlichen Anforderungen erhalten ausreichend Raum, ohne dass sie den Ort zu stark dominieren.

Die Spreeseite könnte sich zu einem neuen attraktiven Ort in der Mitte Berlins entwickeln, trotz der ungünstigen Nord-Ost-Exposition. Die über die gesamte Länge reichende Sitzstufenanlage ist allerdings zu undifferenziert. Der Wechsel mit beiderseitigen Bastionen an den Brückenköpfen, Treppen und Rampe stellt sich als zu unausgewogen dar. Der enorme Höhenunterschied zwischen Platz- und Wasserniveau und die begrenzte Raumtiefe bis zur Gebäudefassade führen zu einer sehr steilen Anlage mit knappen Sitzstufen, die einen entspannten Aufenthalt fraglich erscheinen lässt.

Unzulässig ist die Anordnung von 14 der 22 Stellplätze auf der gegenüberliegenden Straßenseite vor dem ESMT-Gebäude - sowohl aus Sicht der mobil eingeschränkten Besucher als auch in baurechtlichen Fragen. Eine Verlagerung auf das Grundstück des Humboldt-Forums wäre unvermeidlich.

Den Verfassern gelingt auf dem ersten Blick eine stimmig erscheinende Entwurfslösung, die im Kostenrahmen zu realisieren wäre. In Teilbereichen lässt die Arbeit jedoch den notwendigen kritischen und denkmalpflegerisch angemessene Umgang mit den historischen Spuren und das an diesem Ort notwendige Maß an zeitgenössischer Qualität und Prägnanz vermissen.

Perspektive - von Schlossbrücke zum Bereich Schlossbereich
Perspektive - von Schlossbrücke zum Bereich Schlossbereich

Perspektive - von Liebknechtbrücke zum Spreeufer/Belvedere
Perspektive - von Liebknechtbrücke zum Spreeufer/Belvedere

Lageplan M. 1:250
Lageplan M. 1:250

Schnitt A-A im M. 1:100
Schnitt A-A im M. 1:100

Schnitt B-B im M. 1:100
Schnitt B-B im M. 1:100

Schnitt C-C im M. 1:100
Schnitt C-C im M. 1:100

Schnitt D-D im M. 1:100
Schnitt D-D im M. 1:100