Städtebau  
 

Offener freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb
"Freiraumgestaltung Umfeld Humboldt-Forum"

Ergebnis: 1. Preis


1. Preis:
37.000,- Euro
  bbz landschaftsarchitekten, Berlin

Verfasser: Timo Hermann
Mitarbeiter: Malte Stellmann, Marc Leppin, Meinhard Kuntz


Beurteilung durch das Preisgericht:

Die Verfasser thematisieren den Freiraum des Humboldt-Forums als zeitgenössischen Stadtraum, in dem die historischen Bezüge unsentimental aber präzise verarbeitet und transformiert werden. Geschichte wird räumlich erlebbar, indem klare Orte geschaffen werden: die Schlossterrassen als neuer Raum mit Staudenpflanzung entlang der historischen Spur, eine Trauerweide am Ort des historischen Schlossgärtchens, der urbane harte Vorplatz im Süden, zeitgenössisch durch Bankmonolithe strukturiert, das Schleusengärtchen am Freiheits- und Einheitsdenkmal, die Beziehung zum Lustgarten durch einen durchgehenden Plattenbelag, der die Fahrspur auf der exakten Breite des Lustgartens leicht anhebt.

Die Balance zwischen identitätsstiftender Einheitlichkeit des Freiraums und einer räumlichen Differenzierung der Teilbereiche ist gelungen. Konsequente Reduktion auf ein Steinmaterial (Dolomit) und dessen durchgängiger Gebrauch für vertikale und horizontale Flächen, schaffen eine gelassene neue Identität, die den örtlichen Interventionen, z.B. den Schlossterrassen als eleganter Hintergrund dient. Es entstehen auf jeder Seite des Humboldtforums klar gefasste und strukturierte Stadträume, die angemessen auf das jeweilige Gegenüber reagieren, ohne sich unterzuordnen.

Das Spreeufer wird durch die Teilung in zwei Ebenen, den Spreebalkon und die Uferpromenade, die geschickt durch zwei Rampen und Treppen miteinander verbunden sind, sehr klar als urbane Sockelbebauung thematisiert. Dadurch wird der knapp bemessene Raum gut genutzt und Aufenthaltsqualität auf realistische Art geschaffen.

Die ehemalige Schlossfreiheit wird in ihrer Kargheit trotz der Tatsache, dass historisch keine Bäume vorhanden waren, auch kritisch gesehen, da eine Bepflanzung in dem nördlichen, an die Schlossbrücke anschließenden Bereich, zusätzliche räumliche Qualität schaffen könnte.

Der Vorschlag der Verfasser, durch eine Baumgruppe vor dem Dom eine Torsituation zu schaffen, findet nicht ungeteilt Zustimmung. Die Baumgruppe im Bereich des Apothekenflügels wird hingegen positiv bewertet, wobei das "Verstecken" der Tiefgarageneinfahrt kritisiert wird.

Die Funktionalität des Entwurfs ist in hohem Maße gewährleistet, da die vorgeschlagenen Lösungen alle verkehrlichen Anforderungen erfüllen. Das Verkehrskonzept eines Mischverkehrs im Abschnitt Schloßplatz (West) wird in Ansatz und Ausformulierung sehr begrüßt. Der Entwurf ist innerhalb der vorgegebenen Kostengrenze realistisch umsetzbar.

Es wird positiv gewertet, dass die Ausbildung der Freiräume eine optionale Rückkehr der historischen Skulpturen und Objekte an ihren ursprünglichen Ort in Zukunft nicht ausschließt.

Perspektive - von Schlossbrücke zum Bereich Schlossbereich
Perspektive - von Schlossbrücke zum Bereich Schlossbereich

Perspektive - von Liebknechtbrücke zum Spreeufer/Belvedere
Perspektive - von Liebknechtbrücke zum Spreeufer/Belvedere

Lageplan M. 1:250
Lageplan M. 1:250

Schnitt A-A im M. 1:100
Schnitt A-A im M. 1:100

Schnitt B-B im M. 1:100
Schnitt B-B im M. 1:100

Schnitt C-C im M. 1:100
Schnitt C-C im M. 1:100

Schnitt D-D im M. 1:100
Schnitt D-D im M. 1:100