Städtebau  
 

Offener freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb
"Freiraumgestaltung Umfeld Humboldt-Forum"

Ergebnis: Anerkennung


Anerkennung:
6.000,- Euro
  KRAFT.RAUM. Landschaftsarchitektur und Stadtentwicklung, Krefeld

Verfasser: René Rheims
Mitarbeiter: Masashi Nakamura, Wolfgang Hilgers


Beurteilung durch das Preisgericht:

Vielfältig werden Bezüge zum umgebenden Stadtraum aufgegriffen und in die Freiraumkomposition integriert. So wird das Schlossareal wieder näher an die Raumfolge der Museumsinsel herangeführt und als Fokus am Endpunkt der Achse Unter den Linden präsentiert. Ebenso baut diese Arbeit Bezüge zum östlichen Stadtraum Richtung Alexanderplatz auf. Städtebaulich konsequent versucht der Freiraumentwurf damit die Bedeutung des Standortes Humboldt-Forum als wichtigen Ausgangs- und Bezugspunkt der Stadtentwicklung zu unterstützen.

Die Arbeit schafft ein urbanes, zusammenhängendes Ambiente. Die Verknüpfung mit der Museumsinsel wird über das Aufgreifen von Materialien und Ausstattungselemente des Lustgartens und der umgebenden Straßenräume gestärkt. Ein feingestreifter Pflasterteppich aus Naturstein umgibt das gesamte Gebäude des Humboldt-Forums. In dieser Einheitlichkeit werden dennoch die vier unterschiedlichen Platzseiten herausgearbeitet.

Im Norden werden die historischen Schlossterrassen in moderner Weise neu interpretiert. Der gartenartige Charakter wird begrüßt, denn er schafft eine angenehme Vorzone mit Aufenthaltsqualitäten. Gleichzeitig tritt er auf selbstverständliche Weise in Dialog mit dem Lustgarten. Art und Höhe der Bäume auf den Terrassen werden in der Jury kritisch beurteilt. Der Lindenhain am früheren Standort des Apothekerflügels ist sowohl als räumlicher Abschluss als auch in seiner Ausgestaltung nachvollziehbar. Die Ausbildung eines Shared-Space als Verbindung zum Lustgarten wird in seinem Zuschnitt und seiner Materialität kritisch hinterfragt.

Der Schlossplatz im Süden (Schloßplatz (Süd)) wird richtigerweise als urbaner Stadtplatz verstanden. Irritierend sind daher die locker gestellten Bäume und das Baumpacket analog dem Schloßplatz (Nord). Hierdurch verliert die Arbeit an Präzision. Eine deutliche Reduzierung der Gehölze würde die den Platz umfassenden bedeutsamen Fassaden mehr zur Geltung bringen und den beabsichtigten Kontrast zu den Schlossterrassen im Norden stärken. Die zwei Baumhaine nördlich und östlich des ESMT wirken eingezwängt. Auslobungskonform wird ein Standort für die Rückführung des Neptunbrunnens aufgezeigt, der zwar nicht an originaler Position, aber an zentraler Stelle im neuen Platzraum liegt. Die Nähe zur Fassade entfaltet jedoch nicht die stadträumliche Großzügigkeit, die eine Umsetzung des Neptunbrunnens erfordern würde. Bänke und eine Boden-Intarsie, die auf das ehemalige Dominikanerkloster verweist, werden am Streifenmuster der Pflasterung unauffällig ausgerichtet, was das Preisgericht eher als überflüssig erachtet. Die Anordnung der Stellplätze im Zusammenhang mit der Gebäudeanlieferung funktioniert so nicht.

Im Westen werden die Hauptgestaltungselemente Portal und Freiheits- und Einheitsdenkmal herausgearbeitet. Eine ausreichend dimensionierte, verkehrsberuhigte Straße sichert die Erschließung. Die Orientierung des schmalen Platzstreifens nördlich des Denkmals zur Wasserkante des Spreekanals ist zwar plausibel, aber ein wenig kraftlos. Hier wären einige größere Gehölze zur Einbindung der Platzelemente in den städtischen Kontext wohltuend.

Einen interessanten Beitrag liefert das Belvedere östlich des Humboldt-Forums (Spreeufer). In fließenden Bewegungen werden die Flaneure ans Wasser geleitet. Konsequent wird die moderne Fassade mit einer zeitgemäßen Außenanlage ergänzt. Einen unlogischen Bruch in dieser zeitgemäßen Geste stellt die Verwendung der historischen Geländer dar. Auch die zu große Dichte der erforderlichen Absturzsicherungen schwächt die Eleganz des Entwurfsansatzes.

Die vorgegebene Kostenobergrenze wird eingehalten.

Perspektive - von Schlossbrücke zum Bereich Schlossbereich
Perspektive - von Schlossbrücke zum Bereich Schlossbereich

Perspektive - von Liebknechtbrücke zum Spreeufer/Belvedere
Perspektive - von Liebknechtbrücke zum Spreeufer/Belvedere

Lageplan M. 1:250
Lageplan M. 1:250

Schnitt A-A im M. 1:100
Schnitt A-A im M. 1:100

Schnitt B-B im M. 1:100
Schnitt B-B im M. 1:100

Schnitt C-C im M. 1:100
Schnitt C-C im M. 1:100

Schnitt D-D im M. 1:100
Schnitt D-D im M. 1:100