Städtebau  
 

Offener freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb
"Freiraumgestaltung Umfeld Humboldt-Forum"

Ergebnis: Anerkennung


Anerkennung:
6.000,- Euro
  TDB Landschaftsarchitektur, Berlin

Verfasser: Eva-Maria Boemans, Karl Thomanek
Mitarbeiter: Luka Gillic


Beurteilung durch das Preisgericht:

Die sehr zurückhaltende Arbeit versucht die Wiedergewinnung des städtischen Raumgefüges in Anlehnung an die Schinkel’sche Planung und schafft dies durch eine gestalterische Zusammenziehung des Raums mittels konsequenter Verwendung eines einheitlichen Natursteinbelags. Dieser findet sich in Fortsetzung des Lustgartens von der Straße am Schloßplatz (Nord) bis zum Marstall. ehemaligen Staatsratsgebäudes/ESMT vom Spreeufer bis zum Freiheits- und Einheitsdenkmal.

Die raumbildenden Vegetationskörper sind als Lindenhain - Zitat der Schinkelschen Allee - und als Hain vor dem ESMT-Gebäude präzise gesetzt.

Auf dem südlichen Schloßplatz sind Schnurbäume reihenförmig und zugleich locker angeordnet, womit sich die Arbeit bewusst aus der Starre einer streng symmetrischen historischen Fassung löst. In der Diskussion werden Bäume im Bereich des Schloßplatzes (Süd) generell hinterfragt und kritisch bewertet. Die Verfasser verzichten nicht auf die Mittelpunktbetonung, allerdings in Form eines dem existierenden Lustgartenbrunnen gestalterisch sehr bzw. zu nahe kommenden Version. Die langen Sitzbänke werden dagegen begrüßt.

Vier Schnurbäume beleben auch das Spreeufer, ohne die Ost-Fassade zu verdecken. Sie können als Erinnerung an das ehemalige Gärtchen verstanden werden. An der Schlossbrücke bleibt eine Leere, nicht aufgefüllt zum Beispiel durch Bäume, das schmerzt.

Räumlich gediegen bilden die steinern interpretierten Terrassen vor der Nord-Fassade einen gut nutzbaren Auftakt vor dem Gebäude. Sehr schade, dass bei diesen eleganten Terrassen gänzlich auf Grün verzichtet wurde, was die Härte gemildert hätte und – ohne große Höhenentwicklung - einen atmosphärischen Filter hätte darstellen können. Das Fehlen grüner Elemente wird hier besonders negativ beurteilt.

Gut gelungen ist der Umgang mit dem Spreeufer, das insgesamt nur wenig abgesenkt wird und damit in seiner ästhetischen Wirkung sowie Nutzbarkeit als gut gelungen erscheint.

Die in ihrer Intention sympathische Wahl von Muschelkalk als alles übergreifendem Belag bringt allerdings zahlreiche Probleme im funktionaler Hinsicht mit sich: der im Vergleich zu anderen sehr lebendige, aber auch relativ offenporige Naturstein weist eine weichere Farbgebung und auch weicheren Klang auf. Somit sollte Muschelkalk wohl eher als atmosphärische Zielrichtung verstanden werden und noch nicht als konkrete Lösung.

Die geforderten Stellplätze befinden sich unter dem Baumhain vor dem ESMT-Gebäude. Diese Situierung ist fraglich (zu enge Baumstellung, Nachhaltigkeit der Baumpflanzungen wird angezweifelt, Unterflurbaumroste nötig) und atmosphärisch eher bedenklich situiert; sie sind aber vor allem vom Gebäude des Humboldt-Forums zu weit entfernt und die Querung der Straße ist nicht gewünscht.

Die Straße am Schloßplatz (Süd) entspricht nicht der geforderten Lage ohne dass der Vorteil der Veränderung zu erkennen wäre.

Der Arbeit gelingt eine großzügige Erscheinung des Humboldt-Forums. Materialwahl und umfangreiche Natursteinverarbeitungen (z.B. Terrassen) machen dieses Projekt eher aufwändig. In Teilbereichen verwischt sie jedoch zu sehr die historisch gedachten Analogien, ohne dem Ort genügend neue Qualitäten zu geben.

Perspektive - von Schlossbrücke zum Bereich Schlossbereich
Perspektive - von Schlossbrücke zum Bereich Schlossbereich

Perspektive - von Liebknechtbrücke zum Spreeufer/Belvedere
Perspektive - von Liebknechtbrücke zum Spreeufer/Belvedere

Lageplan M. 1:250
Lageplan M. 1:250

Schnitt A-A im M. 1:100
Schnitt A-A im M. 1:100

Schnitt B-B im M. 1:100
Schnitt B-B im M. 1:100

Schnitt C-C im M. 1:100
Schnitt C-C im M. 1:100

Schnitt D-D im M. 1:100
Schnitt D-D im M. 1:100