Städtebau  
 

Nichtoffener Wettbewerb
"Archäologisches Besucherzentrum Petriplatz"

Ergebnis: 4. Preis


4. Preis:
5.300,- Euro
  Bruno Fioretti Marquez Architekten, Berlin

Verfasser / Architekt: Prof. Piero Bruno
Mitarbeiter: Stefano D'Elia, Frederik Eilers, Michael Fenske, Andreas Hölemann, Lorenz Kirchner, Vanni Sacconi

Vogt Landschaftsarchitekten AG, Zürich

Verfasser / Landschaftsarchitekt: Günther Vogt
Mitarbeiter: Ralf Günther Voss, Andreas Klahm
Sonderfachleute / Berater: Ingenieurgesellschaft Zimmermann mbH
ifb - Frohloff Staffa Kühl Ecker, Tragwerksplanung
Elephant Green Visualisierungen


Beurteilung durch das Preisgericht:

Die Verfasser der Arbeit zeichnen im Grundriss die alte Lateinschule konsequent nach. Sie ergänzen dieses Volumen durch einen zweiten komplementären Baukörper und verschmelzen beide zu einem skulpturalen Gebäude. Wie eine schützende Haube spannt sich das Besucherzentrum über die alte Lateinschule und schafft dadurch einen sehr würdevollen Umgang mit den Mauerresten, ohne sie zu verletzen. Es entstehen einzigartige Ein- und Ausblicke, welche die Geschichte atmen und klar machen. Dies setzt sich im Außenraum als durchgängige Idee konsequent fort.

Der Freiraum unterscheidet zwei Zeitschichten. Die um ca. 2,5 m tiefer liegende archäologische Grabungszone, die unabhängig von der Gebäudekante Innen- und Außenraum miteinander verbindet, sowie das aktuelle Stadtniveau, das die umgehenden Gehweghöhen aufnimmt und balkonartig Aussichten über das Grabungsfeld freigibt und dadurch die historische Bedeutung des Ortes sehr anschaulich vermittelt. Kontrovers diskutiert wird die optische ähnlichkeit der Kirchenfundamente mit den für den Erhalt der Bäume notwendigen Vorsprüngen, die möglicherweise die Lesbarkeit der Befunde verundeutlichen. Städtebaulich reagiert das Gebäude nach jeder Seite unterschiedlich, was sich in den kontrovers diskutierenden Fassaden ausdrückt. Die überschreitung der Plangrenzen an der Scharrenstraße erscheint problematisch.

Das Raumkonzept lebt von differenzierten Räumen, welche wie geschichtete Erdmassen das Hauptvolumen nachzeichnen. Wie ein Stollengang zieht sich der öffentliche Weg durch das Gebäude und führt zu den Schaulagern. Die sehr reduzierten Belichtungen der Studiensammlungen werden kritisch angemerkt. Der vertikale Rundgang entspricht dem Weg, den die Fundstücke unter der Erde beginnen und oben im Schaulager beenden. Die Abgeschlossenheit der Treppenhäuser ist im Erdgeschoss nicht detailliert nachgewiesen. Die Materialität hat eine feine Ausstrahlung und führt innen wie außen zu einer guten Raumstimmung.

Bei den Gesamtkosten liegt die Arbeit deutlich über dem Mittelwert, was vor allem auf die hohen Nutz- und BGF-Flächen zurückzuführen ist. Insgesamt eine Arbeit, welche mit einer kräftigen Geste angemessen reagiert und für die archäologischen Schichten eine poetische Antwort findet.

Modell mit Bet- und Lehrhaus
Modell mit Bet- und Lehrhaus

Modell ohne Bet- und Lehrhaus
Modell ohne Bet- und Lehrhaus

Blick durch die Ruinen
Blick durch die Ruinen

Blick vom Petriplatz
Blick vom Petriplatz

Lageplan
Lageplan

Ansicht Petriplatz
Ansicht Petriplatz