Städtebau  
 

Nichtoffener Wettbewerb
"Archäologisches Besucherzentrum Petriplatz"

Ergebnis: 2. Preis


2. Preis:
11.700,- Euro
  AFF architekten GmbH, Berlin

Verfasser / Architekt: AFF architekten GmbH
Mitarbeiter: Sven Fröhlich, Martin Fröhlich, Antje Bittorf, Sascha Schulz, Melanie Althaus

Bernard und Sattler Landschaftsarchitekten, Berlin

Verfasser / Landschaftsarchitekt: Dipl.-Ing. Stefan Bernard


Beurteilung durch das Preisgericht:

Der Entwurf ist sowohl Solitär wie Teil des Blockes. Dieses kleine Kunststück gelingt durch zwei einfache Maßnahmen. Der Bau orientiert sich mit seinem Hauptgesicht zum Platz und dem Sakralbau hin und setzt dort richtigerweise den Eingang. Statt mit einer Arkade zur Gertraudenstraße schiebt sich der Eingangsbereich mit der doppelgeschossigen Halle leicht in den Platz. Einerseits zeichnet sich dadurch in Maßstab, Höhe und Grundriss die Lateinschule ab, andererseits gelingt es dem Haus durch das Herumziehen des Schlitzthemas ebenso, zur Gertraudenstraße ein Gesicht, das keine Stirnseite ist, zu formulieren.

Es bleibt zu diskutieren, ob die skulpturale Formensprache den späteren Sakralbau etwas konterkariert. Solange der Sakralbau fehlt, ist die Höhe der Platzfassade bezüglich des Freiraums angemessen. Sobald der Sakralbau steht, verringert sich die Distanz des Betrachters und die Bauhöhe „verschwindet“ hinter der Vorstaffelung der Fassade. Kritisch wird dennoch die Monumentalität oder die von einigen als pathetisch empfundene Formensprache gesehen, die wenig über den Ort als normalen Arbeitsplatz oder als Werkstätte aussagt. Vielmehr werden der museale Anspruch und die Bedeutung des öffentlichen stark betont. Obwohl der Zugang via Brücke über die archäologische Grabungsstätte attraktiv geführt wird, bemängelt der Nutzer, dass der Besucher nicht in Tuchfühlung mit der Grabungsstätte gehen kann und somit die Wissenvermittlung erheblich erschwert wird. Die zahlreichen Stützen erdrücken die Grabungsstätte. Gelobt wird die Lage der Eingangshalle und vor allem des Cafés an der Gertraudenstraße.

Der Grundriss ist sehr gut und übersichtlich organisiert. Die Erschließungen sind angemessen, die Fluchtwege funktionieren jedoch gar nicht. Im 2. Obergeschoss wechselt die Treppe in den Lichthof, dort wo die Studiensammlung liegt, was attraktiv für die Besucher ist. äußerst prominent und funktional hervorragend liegen Ausstellung und Vortragssaal auf einer Ebene mit zuschaltbarer riesiger Terrasse und dem großen Stadtfenster. Leider erhalten die Magazine nur wenig Licht von oben. Auch sonst wird zu Recht eine zu geringe Belichtung in gewissen Arbeitsbereichen bemängelt, wohingegen die Lichtdurchflutung im Erdgeschoss wenige Möglichkeiten bietet, die Funde mit gezielter Lichtführung zu inszenieren.

Das Projekt ist durch kleinere Modifikationen innerhalb des Bebauungsplans und nach EnEV-30% realisierbar. Die Gesamtbaukosten werden jedoch wegen der Klimatisierung als überdurchschnittlich bewertet. Das archäologische Zentrum, der Petriplatz und das künftige Bet- und Lehrhaus sollen eine kulturelle Einheit bilden und sich selbstverständlich in den Stadtgrundriss von Berlin integrieren. Folgerichtig liegt der Platz auf der Eingangsebene und verzichtet auf Abgrabungen und offen sichtbare archäologische Fundamente. Der Ausgrabungsbereich ist - wie in der Eingangshalle des Zentrums durch Fenster im Boden zu sehen. Die Grundrisse der Petrikirche sind zurückhaltend markiert durch unterschiedlich dunkle Beläge des Platzes. Die Arkaden des künftigen Bet- und Lehrhauses werden durch ein großzügiges Stadtmöbel temporär markiert. Der Rückbau ist einfach, prinzipiell zeichnet sich der künftige Platz auch schon in der Zwischenphase ab.

Es handelt sich um einen sehr schön durchgearbeiteten Entwurf, dessen Anmutung das Preisgericht widersprüchlich bewertet. Einerseits wird der gekonnte Umgang mit Proportionen, Fläche, öffnung und skulpturalem Ausdruck gelobt, andererseits wird das Hermetische, wenig Transparente bemängelt. Die Anmutung des Alltäglichen wird vermisst an einem Gebäude, das nicht zur Schau stellt, sondern Arbeits- und Forschungsort ist. Vor allem auch an einem Gebäude, das einem zukünftigen Solitär ein normales Stück Stadt bieten sollte.

Modell mit Bet- und Lehrhaus
Modell mit Bet- und Lehrhaus

Modell ohne Bet- und Lehrhaus
Modell ohne Bet- und Lehrhaus

Innenperspektive Besucherzentrum
Innenperspektive Besucherzentrum

Außenperspektive
Außenperspektive

Lageplan
Lageplan

Ansicht Ost
Ansicht Ost