Städtebau  
 

Nichtoffener Wettbewerb
"Fassadengestaltung des Bettenhochhauses und des OP-/ITS-Neubaus der Charité"

Ergebnis: Ein 1. Preis, zur Überarbeitung aufgefordert


Ein 1. Preis:
32.000,- Euro
  Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin

Verfasser: Prof. Ivan Reimann
Mitarbeiter: Andreas Fuchs, Torsten Glasenapp, Hieu Dang Tran, Jonas Houba
Fassadenplanung: KFE, Kucharzak Fassaden Engineering, Berlin (Roman Kucharzak, Piotr Majchrzyk)


Beurteilung durch das Preisgericht:

Das Konzept vermittelt glaubwürdig die Idee, wie sich der großmaßstäbliche Baukörper der Charité in der Stadt und über die Stadtsilhouette hinaus markant darstellt. Dazu greifen die Verfasser geschickt zu dem Mittel der Faltung, mit der sich die kleinteiligen Elemente zu einem großen Gesamten zusammenfügen. Dies bietet auch die Möglichkeit, die vielen disparaten Elemente, z.B. die Vor- und Rücksprünge des Bestandsgebäudes, Fluchtbalkone u.a. zu überspielen. Das gibt dem gesamten Projekt eine einheitliche Wirkung, ohne schematisch zu sein.

Das Thema der bestehenden Lisenen wird in dem vorliegenden Konzept neu interpretiert. Die starke vertikale Strukturierung, die vom Boden bis zum oberen Gebäudeabschluss reicht, gibt dem eher gedrungenen Bestandsgebäude eine vertikale Streckung, auch über die Erhöhung der Attika, wodurch auch ein Teil der Technik verdeckt werden kann. Dies führt im Ergebnis zu einem kraftvollen Baukörper und gleichzeitig zu einer Eleganz und Feingliedrigkeit.

Das Gebäude funktioniert in seiner haptischen Wirkung auch in der Nahsicht: die Faltungen und Rundungen lassen je nach Sonnenstand unterschiedliche Schattenwirkungen entstehen, die im überzeugenden Kontrast zur reflektierenden Wirkung der Oberfläche stehen. Die Idee eines Vorhangs entspricht auch der Nutzung als Bettenhaus: die Anmutung des Ausblicks aus den Bettenzimmern in die Stadt hinein.

Die verschiedenen additiven baulichen Elemente, wie Vordach, Brücken und Übergang sind eigenständig und doch Teil des Ganzen, ebenso die Fassade des Operationstraktes. Überzeugend ist auch der gestalterische Charakter der Bettenzimmer im Innern: Klar, hell und nutzerfreundlich.

Einzelne Aspekte müssen auf ihre Tauglichkeit geprüft werden. Dazu gehört die Entrauchung der Zimmer über Lüftungsklappen hinter den Lochblechelementen. Auch ist das Material Lochblech hinsichtlich der Folgekosten Reinigung zu durchleuchten. Gestalterisch sollte die Differenz zwischen der Faltung im Vordergrund und dem Zwischenraum mit Fenstern und Brüstungen hervorgehoben werden, indem der Hintergrund grundsätzlich dunkel zurücktritt.

Insgesamt zeigt sich das Projekt als eine robuste und starke Idee, bei der man sich gut vorstellen kann, dass unerwartete Hindernisse bei der Detaillierung und Realisierung behoben werden können. Die große Frage ist die Realisierbarkeit der Fassade im vorgegebenen Kostenrahmen.
Perspektive Bahntrasse
Perspektive Bahntrasse

Perspektive Luisenstraße
Perspektive Luisenstraße

Perspektive Philippstraße
Perspektive Philippstraße

Perspektive Invalidenstraße
Perspektive Invalidenstraße

Südansicht
Südansicht

Fassadenausschnitt Bettenhochhaus
Fassadenausschnitt Bettenhochhaus

Fassadenausschnitt Neubau
Fassadenausschnitt Neubau