Städtebau  
 

Begrenzt offener Realisierungswettbewerb
Stadtmuseum Berlin im Marinehaus

Ergebnis: 1. Preis


1. Preis:
25.000,– Euro
  Stanton Williams Architects, London

Verfasser: Gavin Henderson, Alan Stanton
Mitarbeiter: Kristian Garrecht, Nina Langner, Fernando Tapia
Tragwerksplanung: Büro Happold, London, Wolf Mangelsdorf
Haustechnik: Büro Happold, London, Kaval Patel


Beurteilung durch das Preisgericht:
Das Projekt schöpft seine städtebauliches und architektonisches Potential aus dem Umgang mit dem Bestand, aus der Neufassung des Turms sowie einen unmittelbar dem Saalbau angegliederten rückwärtigen Gebäudetrakts. Auf den ersten Blick erscheint der Entwurf als eine einfache und entschiedene Komposition mit alten und neuen Teilen. Tatsächlich ist die Komposition sowohl räumlich-architektonisch wie auch funktional komplex.

Ein großzügig geschnittener Eingangsbereich mit allen notwendigen Funktionen führt unmittelbar in den ersten Ausstellungssaal, der bereits im neuen Gebäudetrakt auf der Südseite gelegen ist. Von da an teilen sich die weiteren Ausstellungsräume im ersten und zweiten Geschoss auf die Grundfläche des alten Saals und jene des neuen Traktes. Auch wenn der Besuch als Rundgang gedacht ist, ergibt sich bei Bedarf die Möglichkeit, in den beiden Geschossen den einen oder anderen Teil für einzelne Ausstellungen zu separieren. Dennoch vermittelt der Plan mit den Ausstellungsräumen den Eindruck einer aussergewöhnlichen Grosszügigkeit. Durch die Auskernung des alten Saalbaus ergeben sich im Innern ausgeglichene Verhältnisse zwischen der Wirkung der alten und neuen Ausstellungsräume. Das ist eine Qualität in Bezug auf die Idee einer homogenen und kontinuierlichen Raumfolge. Allerdings unterscheidet sich diese Wirkung doch beträchtlich von jener, die man von aussen hin erwarten würde. Im Innern ist die Wahrnehmung der alten Struktur auf sporadische Erfahrungen beschränkt, so wie man sie von der Verwendung alter Architekturteile als Spolien in neuen Gebäuden kennt.

Die übrigen Bereiche des Museums und der Verwaltung sind in den darüber gelegenen Stockwerken des 7-geschoßigen Anbaus angeordnet und in dem Dachgeschoss des Altbaus. Diese Arbeitsräume, die der Strasse zugewandt sind, verfügen nur über zennitales Licht, um die Dachflächen des alten Hauses von Fenstern freizuhalten. Das ist der Wirkung des Baudenkmals gewiss zuträglich ergibt aber für die Arbeitsplätze wohl unzumutbare Verhältnisse. Auch auf der Südseite wären die Belichtungsverhältnisse der Büros zu prüfen, die sich durch die attraktive aber schmale Fuge zwischen dem Altbau und dem neuen Gebäudetrakt ergeben. Zuoberst ist eine Aussichtsplattform angeordnet, in welcher die Besucher einen attraktiven Blick über die Stadt geniessen und die Stadtentwicklung im Panorama verfolgen können.

Die einfachen großen Öffnungen in der Strassenfassade, die darüber gelegene Loggia und die Neufassung des Turms in Glas ergeben für das neue Museum eine überzeugende, stimmige Gestalt, die ihre Zugehörigkeit zu unserer Zeit nicht leugnet. Neben dieser großen Form sind die anschliessenden Übergänge klug zurückhaltend ausgebildet, was der Gesamtwirkung nur zuträglich ist. Besonders überzeugend ist der Versuch, das Marinehaus durch die Öffnung der Fensterfront im Erdgeschoss mit dem gegenüber gelegenen Museum in eine unmittelbare Beziehung zu setzen. Allerdings könnte man sich dazu eine überzeugendere Korrespondenz des Gebrauchs vorstellen. So wäre es empfehlenswert die hochwertigen Räume im Erdgeschoss nicht für die Garderobeneinrichtungen zu verwenden. Sie könnten stattdessen dazu verwendet werden, den Museumsbesuch in den verschiedenen Gebäuden zu vernetzen. Aus denkmalpflegerischer Sicht sind die Eingriffe in die Substanz des Marinehauses sehr tief, allerdings besteht Zustimmung zu den städtebaulichen Aspekten des Ensembleschutzes. Ausgenommen ist die vorgeschlagene Gestaltung des Strassenbereichs zur Verbindung der beiden Museumsgabäude, die trivial erscheint und nicht zu überzeugen vermag.

Perspektive
Perspektive


Blick vom Ausstellungsraum ins Foyer
Blick vom Ausstellungsraum ins Foyer


Grundriss EG, Vergrößerung: 396 KB
Grundriss EG


Längsschnitt
Längsschnitt


Querschnitt
Querschnitt