Städtebau  
 

Offener Realisierungswettbewerb für Hochbau, Freiraum und Ausstellung
Erweiterung der Gedenkstätte Berliner Mauer

Ergebnis: 2. Preis


2. Preis:
20.000,- Euro
  K1 Landschaftsarchitekten - Kuhn Klapka GbR, Berlin
Mitarbeiter: Catherine Kuhn, Axel Klapka, Torsten Wolff, Sören Rüdiger, Lars Hopstock

Rother Rother . Architekten Designer, Berlin
Heinrich Rother, Johannes Rother

NITEC (Baukonstruktion, Baukosten), Berlin
W. Nissen


Beurteilung durch das Preisgericht:
Eine Stärke des Entwurfs ist einerseits die räumliche Offenheit und andererseits die Farb- und Materialstimmung des einheitlichen, grauen Kiesund Schottermaterials, was die Leere und die Narbe im Stadtraum des ehemaligen Mauer- und Todesstreifens eindrücklich markiert. Die Originalmauerteile finden dadurch einen stimmigen Kontext. Das Band aus Weißzement mit eingelagerten Schriften markiert farblich im Gesamtkonzept integriert stimmig den Mauerverlauf, ist aber als Markierungselement zu schwach, um sich im Stadtraum behaupten zu können. Unverständlich und unnötig ist der Nachbau von Mauerteilen und konterkariert den sehr schönen Umgang mit weiteren „Originalelementen“ nämlich den Kellermauern der zerstörten Häuser. Diese werden quasi archäologisch ausgegraben und in zwei abgesenkten Räumen freigelegt. Gleichzeitig entstehen dort sehr qualitätsvolle Orte für Ausstellung und Information.

Gelungen ist auch die Ergänzung des zerstörten Sophienfriedhofs durch Intarsien im Kies, Felder gröberer Körnung, welche eindrücklich an die verschwundene Geometrie der Friedhoffelder erinnert. Richtig und stimmig sind dort die Tafeln im Gedenken an die Mauertoten platziert. Das Ausstellungskonzept nimmt die bereits etablierten Glasstelen der Geschichtsmeile auf im Sinne einer Kontinuität und Wiedererkennung. Die zahlreichen Ausstellungselemente im Außenraum bedürfen im Fall der Realisierung einer Straffung und Bündelung.

Die Arbeit nimmt viele der geforderten Gedenkelemente im Außenraum sinnvoll und gezielt auf. Die zwei abgesenkten Ausstellungsbereiche zum Thema „Fluchttunnel“ und „Leben vor der Mauer“ machen Angebote für thematisch geeignete Informationsorte und führen zu einer interessanten räumliche Differenzierung des Ausstellungsraumes.

Der Infopavillon ist grundsätzlich interessant in die bewegte Topografie gesetzt. Leider wird durch die Konzeption eines tiefergesetzten Hofes das effektiv natürlich vorhandene Gefälle überhöht und führt zu schwer umsetzbaren steilen Zugangsrampen. Der entstehende Eingangshof im Untergeschoss ist zwar ein schönes Angebot für wartende oder sich sammelnde Besuchergruppen, auch erscheint der zweite Zugang auf der oberen Ebene bei Besucherandrang sinnvoll für den Personenfluss. Die Abwicklung von Innen und Außen, welche drei Eingänge zur Folge hat ist aber sehr kompliziert. Gänzlich unbegreiflich erscheint dem Preisgericht die Mauerintarsie in der Fassade. Der raumgreifende Pavillon ist in der Grunddisposition interessant, in der architektonischen Wegführung und Grundrisskonzeption jedoch noch nicht überzeugend.

Insgesamt besticht das Freiraumkonzept durch seine durchgängig abgestimmte Gestaltung, welche sich auch gut in die Bebauung an der Bernauer Straße integriert. Gerade die krude Materialität verleiht dem Ort des Gedenkens aber auch dem Ort der Geschichtserzählung eine mögliche Form.


Lageplan
Lageplan

Ausstellungssystem Perspektive
Ausstellungssystem Perspektive

Ausstellungssystem Detail
Ausstellungssystem Detail

Informationspavillon Modell
Informationspavillon Modell

Informationspavillon Perspektive
Informationspavillon Perspektive

Informationspavillon Grundriss
Informationspavillon Grundriss

Informationspavillon Schnitt
Informationspavillon Schnitt