Städtebau  
 

Offener Realisierungswettbewerb für Hochbau, Freiraum und Ausstellung
Erweiterung der Gedenkstätte Berliner Mauer

Ergebnis: 1. Preis


1. Preis:
28.500,- Euro
  sinai.Faust.Schroll.Schwarz, Berlin
Mitarbeiter: AW. Faust, Elena Emmerich, Jan Gordon, Matthias Grobe, Maja van der Laan, Charlotte Wülfing

Mola Winkelmüller Architekten, Berlin
Mitarbeiter: Henner Winkelmüller, Luis Mola, Jan Alsenz, Astrid Kantzenbach-Mola

ON architektur, Berlin
Mitarbeiter: Christian Fuchs


Beurteilung durch das Preisgericht:
Der Arbeit gelingt es, mit ebenso zurückhaltenden wie überzeugenden gestalterischen Mitteln den gesamten Bereich der Grenzlandschaft an der Bernauer Straße zu fassen und erkennbar zu machen. Sie verwendet als Leitmaterial Corten-Stahl; damit werden authentische Spuren sinnvoll ergänzt (Grenzmauer, Hinterlandsicherungsmauer, Kolonnenweg) sowie Ereignis- und Erinnerungsorte markiert. Hinsichtlich der Andeutung der Grenzmauer wäre die Statik der Stäbe zu überprüfen. Dasselbe Material wird für Info-Stelen und den Info-Pavillon verwendet. Mit diesem Material knüpft die Arbeit sowohl an die vorhandene Gedenkstätte an, aber auch an das existierende Informationssystem entlang des übrigen Mauerverlaufs. Corten-Stäbe entlang der Bernauer Straße, die auf die Stahlarmierungen der Mauerelemente anspielen, lassen das räumliche Bild der Grenzmauer wieder erstehen; auch die nach Osten gewandte Seite der Grenzanlagen wird durch Corten-Elemente im Boden markiert. Damit wird die Leere des ehemaligen Todesstreifens gefasst, dessen Fläche selbst als Rasenfläche weitgehend unüberformt bleibt. Im Kontext ist dieser Rasen nur dann als stimmig zu betrachten, wenn er relativ grob, etwa als Schotterrasen zu denken ist.

Neben der räumlichen Fassung des Grenzstreifens besteht der zweite Schwerpunkt der Arbeit in dem angebotenen Informationssystem. Stelen in Form von Rundpfeilern, die aus der Betonrohrabdeckung der Mauer abgeleitet scheinen, bieten in kompakter und gestalterisch angemessener Weise unterschiedliche Arten von Informationen an. Sie wären allerdings mit dem bestehenden Infosystem für die Berliner Mauer zu harmonisieren. Besonders überzeugend ist das sog. "Fenster der Erinnerung" mit dem individuellen Gedenken an die Maueropfer.

Der Pavillon bezieht sich stadträumlich durch seine beiden versetzten Ebenen auf den Verlauf der Mauer sowohl an der Bernauer wie an der Gartenstraße. In Form und Material hat er genügend Prägnanz, um zeichenhaft zu wirken, ohne mit der Gedenkstätte in Konkurrenz zu treten. Die Überlagerung zweier Geschossebenen mit separaten Erschließungen macht funktionale Optimierung möglich.

Die Arbeit überschreitet den Kostenrahmen, aber es ist durchaus Einsparungspotential erkennbar. Insgesamt handelt es sich um eine außerordentlich schlüssige Arbeit, die für den Ort und die Funktion der Gedenkstätte ein besonders brauchbares, nachvollziehbares und entwicklungsfähiges Gesamtkonzept anbietet.

Lageplan
Lageplan

Ausstellungssystem Perspektive
Ausstellungssystem Perspektive

Ausstellungssystem Detail
Ausstellungssystem Detail

Informationspavillon Modell
Informationspavillon Modell

Informationspavillon Perspektive
Informationspavillon Perspektive

Informationspavillon Grundriss
Informationspavillon Grundriss

Informationspavillon Schnitt
Informationspavillon Schnitt