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Diskussionsbeitrag | 02.05.2006 | 20:44 | Moderation (dr)

Diskussionsbeitrag Im Dialog mit den Architekten


Foto: Zebralog
Während des Bürgerbeteiligungswochenendes am 29. und 30. April im alten Postgüterbahnhof diskutierten die elf ausgewählten Architektenteams mit interessierten Bürgern über die Parkgestaltung Gleisdreieck. Neben den zahlreichen Einzelgesprächen mit den Landschaftsarchitekten gab es große Diskussionsrunden im Plenum. Dabei ging es vor allem um die Sicherung von sozialen, ökologischen und historischen Spuren, die Gestaltung von Wegeverbindungen und Brücken, die Dezentralisierung von Sportflächen, den Erhalt der Kleingärten und der gewachsenen Vegetation.

1. Spurensicherung
Neben der Sicherung historischer Spuren (alte Bahnanlagen, bestehende Gebäude, Ausstellung von Eisenbahn-Exponaten) wurde gefordert, auch gewachsene soziale und ökologische "Spuren" in den Park zu integrieren (Kleingärten, Wildnis, neue Bahnanlagen, selbstorganisierte Spielplätze, das Ökowerk etc.). Neben der Aufklärung über die Historie des Ortes sollte der Park auch Erholung bieten, Phantasie und Kreativität anregen und somit das Entstehen neuer Projekte und Akteure ermöglichen. Es soll nicht versucht werden, "einen neuen Charakter für den Ort zu schaffen, denn er hat schon einen"- Bestehendes solle genutzt werden.

2. Gestaltung der Verbindungen und Wege
Deutlich wurde in den Gesprächen, dass eine angemessene Anbindung aller Stadtteile an den Park gewährleistet werden soll. Neben schlüssigen Konzepten der Nord-Süd-Verbindung (verbesserungswürdig sei hier die Anbindung von Schöneberg über die Bautzener Straße) sollte auch über Ost-West-Verbindungen zusätzlich zum "Generalszug" nachgedacht werden - insbesondere, falls dessen Finanzierung ungesichert bleibt. Die Erhaltung der Yorckbrücken wurde ausdrücklich erwünscht. Wenn diese im momentan noch einen abschreckenden "Höllenschlund" darstellten, werde sich ihr Charakter mit dem Park ändern und könnte ein Ort für eine spannende, neue Gestaltung werden.
Wie schon in der Online-Diskussion 2005 sprachen sich die Teilnehmer für schnelle Durchquerungswege aus, die den Park auf der täglichen Fahrt zur Arbeit erlebbar machen sollen. Hierbei seien verschiedene Nutzungsgruppen zu berücksichtigen: Radfahrer, Fußgänger, Rollstuhlfahrer, Skater, Jogger etc. Zugleich ist es wichtig, langsame Wege mit Möglichkeiten zum Sitzen und Verweilen zu schaffen. Bei der Anlage der kleinen Wege wurde ein "Trampelpfadprinzip des geringsten Widerstandes" angeregt. Lineare Wege werden eher abgelehnt.

Kontrovers diskutiert wurden breite Promenaden an den Rändern des Parks: zum einen erwünscht, um gerade abends eine schnelle und beleuchtete Durchquerung des Parks zu ermöglichen, zum anderen unerwünscht, weil schnelle und langsame Nutzungen zugleich ermöglicht werden sollten. Auch zuviel Beton und "Machtarchitektur", die als "Dekor für angemessenes Verhalten" passivierend wirke seien zu vermeiden, da die Menschen "nicht friedlich durch breite Alleen spazieren", sondern den Park aktiv und eigenverantwortlich nutzen möchten.

3. Sport- und Bewegungsflächen
Konsens in der Diskussion um Sportanlagen war der Wunsch nach einem "Aufforderungscharakter" der Angebote, die zum Mitmachen und Ausprobieren einladen. Neben normgerechten Sportplätzen, die zu "Integrationshelfern der Stadt" werden könnten, wurde der Wunsch nach dezentralen, kleineren Sportflächen sowie "nutzungsbefreiten Bewegungsräumen" deutlich. Zusätzlich wurde angeregt, Sportangebote für ältere Menschen anzudenken.

4. Kleingärten
In den meisten Entwürfen wurden die Kleingärten nicht explizit berücksichtigt, da in der Auslobung langfristig der Ersatz der Kleingärten durch Sportanlagen angedacht war. Viele Äußerungen sprachen sich für den Erhalt der Kleingärten aus, die prozesshaft in öffentliche Räume umgestaltet werden könnten, um für die Allgemeinheit Aktionsflächen und verschiedene Angebote bereit zu stellen (z.B. Streichelzoo, internationale Gärten). Neben einer sozial integrativen Funktion und einer sozialen Kontrolle gegen Vandalismus könnten Kosten zur Unterhaltung und Pflege der Grünflächen eingespart werden.

5. Weitere Themen
Die Chance, eine große Grünfläche zu schaffen sollte ergriffen werden. Positiv wurden Entwürfe beurteilt, die "den Park vor der Stadt schützen". Neben wilden, versteckten Bereichen wurde auch der bestehende Plateaucharakter als erhaltenswert erachtet: weite Flächen mit Blickbeziehungen würden insbesondere im Sommer zum Verweilen einladen.

Wichtig bei der zeitlichen Planung sei zu bedenken, dass der Park von Anfang an "funktionieren" sollte, das trifft vor allem auch für den Ideenteil des Wettbewerbes zu. Gleichzeitig wurden solche Entwürfe als positiv beurteilt, die auch nach ihrer Fertigstellung eine prozesshafte Weiterentwicklung der Parkfläche ermöglichen.

Das Thema der Sicherheit in einem Park zwischen drei "Stadtbereichen mit sozialen Brennpunkten" sollte nicht vernachlässigt werden. Als Vorschlag gegen Zerstörungswut wurden die Abgabe von Verantwortung an die Bürger und die Integration von Angeboten speziell für Jugendliche geäußert.

Aufgrund der Größe des Parks wurden mehrere und ausreichend große Bereiche für den Hundeauslauf erwünscht, um Hundebesitzer zu motivieren, sich in den sonstigen Bereichen an den Leinenzwang zu halten. Auch die Idee des Hundespielplatzes aus dem Online-Dialog wurde erneut aufgegriffen.



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Von: Moderation (dr)

02.05.2006 | 20:44
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