Städtebau  
 

Offener Realisierungswettbewerb Jacob und Wilhelm Grimm-Zentrum
- Zentrale Universitätsbibliothek und Computer- und Medienservice
der Humboldt-Universität zu Berlin

Ergebnis


2. Preis:
34.000,- Euro
  Jaklin Tenbohlen Welp Architektur, Berlin

Mitarbeiter/innen:
Peter Tröster

Beurteilung durch das Preisgericht:
Die Bibliothek fügt sich geradezu selbstverständlich in den Kontext der vorhandenen Bebauung ein und tritt dennoch selbstbewusst als großer Ziegelkubus als öffentliches (Universitäts-) Gebäude in Erscheinung. Die Grundhaltung, die Materialität, der symmetrische Aufbau in Grundriss und Fassade, die spannungsreiche Wirkung von architektonischer Disziplin und Großzügigkeit reihen es ein in die Tradition großstädtischer Berliner Wissenschafts- und Kulturbauten.

Die Schwierigkeit einer vom Grundriss her eigentlich richtigen, von der städtebaulichen Situation aber einer höchst problematischen S-Bahn-Passage wird mit einer Passagenlösung zwischen Planck- und Geschwister-Scholl-Straße überzeugend umgangen. Die Bibliothek hat zwei gleichwertige Eingänge (was der Position im Stadtraum entspricht), die mit einer leider nicht durchgängig mehrgeschossigen Passage verbunden werden. Hier erreicht man wie selbstverständlich das Café, die Infoterminals, die Ausstellung und den Eingang in den gesicherten Bibliotheksbereich mit Ausleihe, Information und großzügigem Treppenhaus. Dies ist über alle Geschosse die leicht auffindbare Position für die Aufsichtstresen, Bücherausgabe, Bereitstellung.

Das räumlich und geistige Zentrum des Gebäudes bildet der 4-geschossige, sich nach oben über drei Stufen weit öffnende Lesesaal, dessen räumliche Wirkung durch den Laternenaufbau mit seitlichem Sichteinfall dramatisch gesteigert wird. Die fast monumentale räumliche Wirkung des Lesesaals wird durch übergroße Deckenleuchter unterstrichen aber gleichzeitig durch eine warmtonige Holzvertäfelung zurückgenommen. So entsteht ein ruhiger, fast feierlicher Lesesaal, auf den sich die Freihandmagazine bzw. –bereiche und die historischen Bücher wie selbstverständlich ausrichten. Die Personalräume sind ringförmig gut belichtet an der Außenfassade angeordnet. Dies erfordert teilweise überlange Wege.

Dem raffiniert einfachen Grund- und Aufriss entspricht die Tragkonstruktion aus Stahlbeton, Flachdecken und eine Außenhülle aus Klinkern. Das insgesamt plausible Konzept lässt an zwei wichtigen Punkten Fragen offen. Die Tragstruktur der Obergeschosse ist im EG nicht ablesbar. Die große Klarheit des Konzepts könnte so im EG durch die Anordnung notwendiger Stützen beeinträchtigt werden. Schließlich fehlen im Obergeschoss die notwendigen Fenster, die hier offensichtlich aus Gründen der Fassadengestaltung entfallen sind. Diese Defizite hinterlassen beim Betrachter leichte Zweifel an dem sonst überzeugenden Konzept
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