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Die Metropolregion wächst zusammen: Erste Gemeinsame Verkehrsprognose Berlin-Brandenburg 2025


10.06.09, Pressemitteilung
Die Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer, und der Minister für Infrastruktur und Raumordnung des Landes Brandenburg, Reinhold Dellmann, haben heute die erste gemeinsame Verkehrsprognose der Länder Berlin und Brandenburg vorgestellt.

Die Verkehrsprognose wurde von Vertretern der beiden Länder unter Mitwirkung eines Expertengremiums erarbeitet.

Senatorin Ingeborg Junge-Reyer: „In ganz Europa verändert sich die Altersstruktur der Bevölkerung und damit auch das Mobilitätsverhalten und die Nachfrage nach Verkehrsinfrastruktur. Wie die Prognose zeigt, ist das Land Berlin darauf vorbereitet. Entgegen dem Bundestrend werden in Berlin künftig noch mehr Radfahrer und Fußgänger mobilisiert und der öffentliche Verkehr damit zu einem Markenzeichen der Hauptstadt. Die Weichen der Verkehrspolitik sind in Richtung Zukunft gestellt und wir arbeiten weiter daran, damit die Berlinerinnen und Berliner auch in fünfzehn Jahren attraktive Verkehrsangebote vorfinden. Hier gilt es besonders darauf zu achten, dass Mobilität für alle bezahlbar bleibt.“

Infrastrukturminister Reinhold Dellmann:
„Berlin und Brandenburg sind ein gemeinsamer Verkehrsraum, der eng miteinander verknüpft ist. Dennoch gibt es Unterschiede zwischen dem Ballungsraum Berlin und den ländlichen Teilen in Brandenburg. Wir wollen zukunftsfähige Entwicklungen gemeinsam gestalten und die Mobilität für die Menschen und die Wirtschaft in allen Teilen der Hauptstadtregion nachhaltig sichern. Die Prognose bestätigt unsere Verkehrspolitik, den ÖPNV zielgruppenorientiert zu stärken und beim Straßenbau gezielt dort zu investieren, wo Verkehrsprobleme auch langfristig zu erwarten sind.“

Für das Land Berlin kommt die Prognose zu folgenden Ergebnissen:

  • Einer leicht zunehmenden Mobilität der einzelnen Bürgerinnen und Bürger steht ein allgemein abnehmendes Verkehrsaufkommen gegenüber. Dies ist v.a. in einem zunehmenden Anteil Älterer an der Bevölkerung und deren in der Regel geringerer Mobilität begründet. Bis zum Jahr 2025 wird das Verkehrsaufkommen, d.h. die Anzahl der Ortsveränderungen pro Werktag, um 4 % zurückgehen. Dies ist vor allem auf die Veränderungen der Bevölkerungszusammensetzung zurückzuführen, z.B. durch die Zunahme älterer Bevölkerungsgruppen und einen Rückgang der Zahl der Erwerbstätigen. Die mobilste Bevölkerungsgruppe ist die zwischen 18 und 44 Jahren. Die erwerbsfähige Bevölkerung, d.h. die 18- bis 64-Jährigen, wird bis 2025 allerdings um 3 % zurückgehen. Die Bevölkerungsgruppe, die bis 2025 am stärksten zunimmt, ist die weniger mobile Gruppe der über 75-Jährigen.
  • Die Bedeutung des Radverkehrs nimmt zu. Die Verkehrsmittelwahl wird sich zugunsten des Radverkehrs mit leichten Rückgängen im Pkw-Verkehr entwickeln. Die Bedeutung des öffentlichen Verkehrs und des Fußverkehrs werden in etwa gleich bleiben. Damit entwickelt sich Berlin entgegen dem Bundestrend.
  • Längere Strecken werden zunehmend mit dem ÖPNV statt dem Auto zurückgelegt. In absoluten Zahlen steigt der Anteil des ÖPNV am Gesamtverkehr nur geringfügig. Jedoch zeichnet sich ein Trend ab, längere Strecken mit dem ÖPNV zurückzulegen. Besonders vor dem Rückgang der Zahl ÖPNV-affiner Bevölkerungsgruppen ist dies ein positiver Trend. Der Anteil des motorisierten Individualverkehrs sinkt dagegen von 35 % auf 32 %.
  • Der Verkehr auf den Straßen nimmt ab. Nur in den äußeren Bezirken bleibt das Auto wichtigstes Transportmittel, im Inneren dominiert der Öffentliche Verkehr. Die Verkehrsleistung auf der Straße wird in Berlin durchschnittlich um 15 % zurückgehen. Die Verkehrsentwicklung ist aber nicht einheitlich. In unterschiedlichen Teilräumen ergeben sich verschiedene Entwicklungen: In den äußeren Stadtbereichen wird z.B. die Bedeutung des motorisierten Individualverkehrs auch häufig deutlich höher sein als in der inneren Stadt.
Für das Land Brandenburg ergeben sich folgende Trends für die Zukunft:

  • Obwohl die Menschen spürbar mobiler werden, geht auch in Brandenburg insgesamt das Personenverkehrsaufkommen zurück. Das Aufkommen wird sich insgesamt um ca. 10 % reduzieren. Dieser Rückgang wird sich aber konzentrieren auf den ländlichen Raum Brandenburgs. Im Gestaltungsraum Siedlung, dem unmittelbarem Umfeld von Berlin, erwarten wir ein gleichbleibendes Aufkommen. Grund ist der prognostizierte deutliche Rückgang der Einwohnerzahl Brandenburgs und die sich gleichzeitig vollziehende Alterung der Bevölkerung. Hier gibt es ähnliche Entwicklungen wie in Berlin.
  • Die Verkehrsentwicklung in Brandenburg ist sehr differenziert. Der motorisierte Individualverkehr (MIV) bleibt trotz eines leichten Rückgangs mit einem Anteil von 50 % und mehr, wichtigster Verkehrsträger im Personenverkehr. Die Bedeutung des MIV steigt leicht trotz relativen Rückgangs insbesondere in den dünn besiedelten ländlichen Gebieten Brandenburgs.
  • Der Anteil des Öffentlichen Verkehrs bleibt annähernd gleich. In den städtischen Ballungsräumen im Umfeld von Berlin kann der ÖPNV seine Position festigen. Im ländlichen Raum sichert der ÖPNV die Mobilität insbesondere für Schüler und alte Menschen. Hier sind aber weitere Rückgänge zu erwarten, die durch neue Angebote und die Erschließung neuer Kundengruppen, insbesondere im Freizeit- und Tourismusbereich, ausgeglichen werden müssen.
  • Im Wirtschaftsverkehr gibt es zwei gegensätzliche Entwicklungstendenzen. Während der Fernverkehr besonders auch wegen der Transitverbindungen nach Polen und Osteuropa weiter wächst, werden Aufkommen und Leistung im straßenseitigen Binnenwirtschaftsverkehr zurück gehen.
Die Ergebnisse der Prognose bilden eine wichtige Grundlage für die Fortschreibung der langfristigen Verkehrskonzeptionen und -planungen, u.a. für die laufende Überarbeitung des Stadtentwicklungsplans Verkehr. Mit ihrer Hilfe können darüber hinaus aktuelle und zukünftige Planungen auf ihre verkehrliche Wirksamkeit untersucht werden. Die Prognose hilft, politisches Handeln zielgerichtet steuern und Wirkungen nachweisen zu können. Beispielsweise würde die Prognose für das Jahr 2025 ohne die Voraussetzung einer bewussten Radverkehrsförderung keine Steigerung des Radverkehrs beschreiben.

Grundlage der Prognose ist das Bezugsjahr 2006, was in der Erarbeitungszeit einer solch umfangreichen Prognose von 2-3 Jahren begründet liegt. Zudem wurden in diesem Jahr wichtige Infrastrukturprojekte wie der Hauptbahnhof oder die A 113 verwirklicht, deren vielfältige Auswirkungen berücksichtigt werden konnten.

Für dieses Bezugsjahr und das Prognosejahr 2025 wurden alle wesentlichen Daten und Informationen auch unter Berücksichtigung unterschiedlicher Entwicklungsszenarien aufbereitet. So wurden Strukturdaten wie die Bevölkerungsentwicklung, Beschäftigungszahlen oder Schulplätze genauso einbezogen wie Verkehrsverhaltensdaten, beispielsweise die Unterschiede des Mobilitätsverhaltens jüngerer und älterer Menschen. Eingang fanden aber auch Verkehrsangebotsdaten wie Strecken oder Fahrpläne. Eine Vielzahl weiterer Faktoren wie die Entwicklung der Energiepreise, des Fernverkehrs oder der Touristenzahlen ergänzten die umfassende Analyse. Auch größere Bauprojekte wie der Neubau des Flughafens Berlin Brandenburg International, seine verkehrliche Anbindung und der Ausbau der A 100 wurden als wichtiger Faktor der Analyse einbezogen.

Das Novum einer gemeinsamen Prognose für Berlin und Brandenburg wird der weit reichenden wirtschaftlichen und verkehrlichen Verflechtung beider Länder gerecht. Die Beurteilung erforderlicher verkehrsplanerischer Anforderungen und Maßnahmen benötigt eine "grenzüberschreitende" Planungs- und Arbeitsgrundlage. Neu an der Prognose ist zudem die Unterscheidung nach einzelnen Verkehrsarten wie Fußgängerverkehr, Radverkehr, öffentlicher Personenverkehr, motorisierter Individualverkehr und Lkw-Verkehr unterschiedlicher Größenklassen. Außerdem war es erstmalig möglich, auch den Wirtschaftsverkehr zu berechnen.

Die Ergebnisse bzw. das methodische und technische Vorgehen bei der Erstellung der der Gemeinsamen Verkehrsprognose 2025 werden zukünftig auch für projektbezogene Detailuntersuchungen genutzt werden können.


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